Eine bessere Welt gestalten

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Den ganzen Mai über finden in New York City unter dem Titel NYCxDESIGN eine Unzahl von Veranstaltungen statt, die irgendwie mit Design zu tun haben. Gleich am ersten Wochenende findet als ein Ankerpunkt BklynDesigns statt, eine Initiative der Brooklyn Chamber of Commerce, eine Messe mit begleitenden Diskussionen unter dem Motto »Design is for Everybody«. Passend dazu fand ich eine Podiumsdiskussion besonders spannend mit dem Thema »Designing a Better World: Architecture, Interiors and Representing Social Justice in Physical Spaces«

Zwei Architekten und drei Innenarchitekten sprechen über ihre Arbeit, die geleitet wird vom Gedanken, soziale Ungerechtigkeit zu verringern. Es beginnt mit einer deutlichen Aussage: Soziale Ungerechtigkeit kostet Menschenleben. Sowohl in der Dritten Welt als auch hier im reichen Westen.

Eine bessere Welt gestalten: Architektur und soziale Gerechtigkeit

Bei allen Unterschieden zwischen den fünf Diskutanten, ihrer Arbeit wie ihrer Herkunft, gab es einige große Übereinstimmungen: Designer (hier immer sehr weit verstanden für alle kreativ Arbeitenden) können helfen, die Welt zu verbessern. Aber nicht, indem sie für andere etwas tun, sondern einzig und allein, indem sie mit anderen etwas tun, ihre Fähigkeiten, ihr Können bereitstellen, dass die anderen sich selber helfen können. Also indem sie Möglichkeiten schaffen, die auf die jeweiligen örtlichen, ökonomischen und sozialen Bedingungen aktiv reagieren. Aktiv: auf die Menschen zugehen und Unterstützung anbieten. Reagieren: Nicht ein Krankenhaus hinstellen und wieder weggehen, sondern fragen und gemeinsam überlegen, was ein Krankenhaus in Burundi benötigt und wie es über viele Jahre mit den vorhandenen Mitteln betrieben werden kann. Da kann etwas wichtig sein, dass die Zimmerdecke schön ist, weil man sie den ganzen langen Tag anschaut. Ja, auch neue Techniken einführen wie zum Beipiel Bambus als Baumaterial in der Karibik. Bambus ist günstig, leicht zu verarbeiten und haltbarer als das allgegenwätige Wellblech.

Aber wie heißt Bambus auf Kreyòl, der Sprache auf Haiti? Die Sprache kann im Ausland schnell zu einer Hürde werden. Nicht allein die Sprache: Als die blonde Weiße Innenarchitekten von ihren Schuldgefühlen bei der Ankunft in Tansania sprach, nickte der schwarze Architekt mit karibischer Herkunft, auch er ist ein reicher Weißer, wenn er aus den USA nach Haiti kommt. Aber Design kann und soll verbinden, sie fand schnell ein Mittel: Erzählen, was man tut und fragen, wie das helfen kann. Lebensfreude fand er auch in durch Erdbeben zerstörten Gebieten: überall wollen die Menschen ihre Umgebung schöner machen, in Haiti sind überall fröhliche Farben zu sehen. Und Bambus heißt wie im Englischen Bamboo (vermutlich anders geschrieben).

Eine bessere Welt gestalten: Architektur und soziale Gerechtigkeit

Genauso kann man zu Hause arbeiten: Etwa wie die beiden Innenarchitekten von AphroChic, die daran arbeiten, Gegenbilder zu den ubiquitären reichen weißen Einrichtungen zu entwickeln, die auf die Geschichte und Lebensumstände von Afro-Amerikanern reagieren. Immer wieder und allerorts war das Thema: Wie kann man Menschen helfen, ihr eigenes Leben schön zu gestalten? Nicht, ihnen eines zu geben. Möglichkeiten schaffen, nicht »Lösungen« hinzustellen, ist die die Aufgabe von uns Designern. Dafür muss man nicht weit fahren, auch hier gibt es genügend zu tun. Es gibt es viele Organisationen, denen man seine Fähigkeiten anbieten  kann. Oder denen man wenigstens einen festen Teil des Umsatzes spenden kann. Und manchmal ist die Aufgabe doch nur, darauf hinzuweisen, dass und wie man es sich schöner machen kann.

Als eine kleine Reaktion auf diese aufweckende Diskussion war danach mein Blick auf die vielen Schmuckstände der Messe geändert: Schmuck macht das schwere alltägliche Leben ein wenig schöner, er ist ein Vorschein des Reichs der Freiheit, einer Welt, in der es nicht nur um materielle Reproduktion geht. Schon in der Steinzeit war das so.

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