Neuigkeiten aus dem Sandkasten des digitalen Bildvertriebs

© Alexander Koch
© Alexander Koch

Eindrücke vom Innovation Day sowie von der Google-Präsentation Ende Mai in Berlin

Die Digitalisierung ist aus der Bildproduktion nicht mehr weg­zu­denken. Eine Distribution via Internet mag es nun seit über 20 Jahren geben; nur birgt das Netz mit seiner Möglichkeit der unbegrenzten Kopierbarkeit einige Tücken. Auf dem im Rahmen des Cepic-Kongresses am 30.05.2018 veranstalteten Innovation Day kamen Bildproduzenten, Bildanbieter und Technik­an­bieter zusammen, um sich über neue Lösungsansätze auszutauschen. Bei den reinen Auf­trags­arbeiten mag das Thema uninteressant erscheinen; wer aber die Nutzung durch Dritte besser in den Griff kriegen will, sollte die anstehenden Entwicklungen nicht aus den Augen verlieren.

Viel Wirbel um Blockchain & Co

Auf dem von Alexander Karst (Die Bildbeschaffer) moderierten Panel „Can Blockchain Be Applied to the Photo Industry?“ tauschten sich Technikanbieter wie Copytrack oder KODAKCoin über die Übertragbarkeit des von Kryptowährungen bekannten Blockchain-Systems aus. Die Codierung und vor allem ein dezentral geführtes Transaktionsregister mögen unkontrollierte Vervielfältigungen auch bei visuellen Inhalten einschränken. Dem wurde schnell der Kosten- und Energieaufwand entgegengehalten. Weitere Vorteile wie der Nachweis der Urheberschaft, der Nachweis von Trans­ak­tionen und Vertragsbedingungen behandelten die Teilnehmer oberflächlich, werden aber sich­er­lich an Bedeutung gewinnen. Die Diskussion erweckte den Eindruck, dass hier ein Wettlauf auf ein zentral beherrschtes Register bereits begonnen hat. Einige Panelisten räumten ein, dass sich die Technologie noch im Sandkasten befände. Aber Fotoplattformen wie fotolia, iStockphoto oder Shutterstock wälzten sich Anfang der Nullerjahre ebenfalls im Sandkasten der Technologie und haben mittlerweile den klassischen Bildermarkt ziemlich in Bedrängnis gebracht.

Präsentation von Adobe Stock

Die Bildagentur Adobe Stock (vormals Fotolia) nutzte den Kongress, ihr aktuelles Bildrecherche-System Adobe Sensei zu präsentieren. Dass das System die Bildsuche der einzelnen Designer analysiert, mag für die angepriesene Optimierung der Bildsuche stehen. Die damit verbundene Observierung der Bildkunden erschien selbst bei der professionell inszenierten Präsentation etwas unheimlich. Interessant ist aber die Ausweitung der visuell angelegten Bildsuche: In einem Rahmen können Gestalter Elemente wie etwa eine Blume, eine Sonne, ein Gesicht oder einen Berg an die gewünschte Stelle der Bildkomposition rücken; der Algorithmus sucht daraufhin sämtliche Fotos der Bilddatenbank, die die genannten Bildbestandteile an der gewünschten Stelle enthalten. Die Kritik, dass Microstock-Bildmaterial – vorsichtig ausgedrückt – von einer sehr universellen Bildsprache geprägt ist und das System sicherlich nicht auf qualitativ hochwertigere Fotos übertragen werden könne, blieb unkommentiert. Aber die Technologie ist leider erschreckend gut und wird sicherlich die Arbeit der Kommuni­kations­designer bei Adobe bzw. Fotofolia und mittelfristig bei den weiteren Microstock-Bildagen­tu­ren beeinflussen. (Siehe Näheres bei www.adobe.com/de/sensei.html)

Impressionen vom CEPIC-Kongress:

Andere Formen der Bezahlung

In dem nachmittäglichen Panel „Alternative Ways to Licence Your Photography“ stellten Bildan­bieter Geschäftsmodelle vor, in denen Bilder nicht direkt bezahlt werden. Erwähnenswert war das von Panther Media vorgestellte System Adpressi. Nach diesem stellt ein Bildanbieter gerade im Corporate-Bereich Nutzern visuellen Content zur Verfügung, darf aber die Bildnutzungen sta­tis­tisch erfassen, was für einen Werbekunde interessant sein kann. Die magischen fünf Buchstaben „DSGVO“ wagte aber keiner als Frage in den Raum zu stellen. Diese spitze Bemerkung hätte auch wenig gebracht, weil datenschutzrechtliche Belange sich in jedem Einzelfall unterschiedlich auswir­ken dürften.

Google inszeniert sich selbst

Erwähnenswert ist natürlich die am Folgetag von Google ausgerichtete Präsentation unter dem Motto „Understanding Google Image Search and How To Optimize For It“. Die Unternehmens­ver­treter füllten den Raum im wahrsten Sinne des Wortes komplett mit Google aus: Statt der Platzierung von Gesprächsteilnehmern stellten sie fast einen Meter hohe Buchstaben ihres Logos auf das Panel. Luca Forlin und Garry Ilyes stellten die neu gestalteten Google-Vor­schau­bilder-Funktionen vor. Anhand der Beispiele „how to remodel your kitchen“ oder „find the best chicken burrito in Berlin“ gab es allerlei großformatige Produktfotos zu sehen. Dass an diesen Fotos auch Fotografenrechte hängen, blieb eher unerwähnt. Auf die Frage eines Bildanbieters, dass seine Bilder sogar über die Google-Vorschau geklaut werden, kam nur die zaghafte Er­widerung, dass Google noch keine Lösung für dieses Problem habe, aber eine gute Vertriebsplattform sei. Die anwesenden Bildanbieter konnten den Google-Vertretern klar ver­mit­teln, dass sie wenig auf eine Verbreitung ihrer Fotos geben, wenn dies nur kostenlos ge­schieht.

Fazit

Die vorgestellten technischen Ansätze zeigen, dass der Kreativmarkt einem kontinuierlichen Wandel unterliegt, sich aber den immer neuen Herausforderungen des Internets stellen muss. Designer im klassischen Auftragsverhältnis mögen die Verbreitung von Bildern im Internet nur mittelbar interessieren. Zumindest Fotografen, Illustratoren, Karikaturisten, aber auch Produkt­de­signer werden mehr und mehr ihre Rechte individuell durchsetzen müssen und sollten die sich abzeichnenden Entwicklungen nicht aus den Augen verlieren.

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