Welche KI wollen wir? AGD bringt Designer:innen-Perspektive in EU-Strategie ein

Die Europäische Kommission arbeitet an einer KI-Strategie für die Kultur- und Kreativbranchen. Bis zum 11. September konnten Verbände, Kreative und Unternehmen ihre Perspektiven in einem Call for Evidence einbringen. Die AGD hat sich beteiligt – mit einer klaren Botschaft: KI kann für Designer:innen ein starkes Werkzeug sein.

Aber Innovation darf nicht darauf beruhen, dass menschliche Kreativität entwertet, Rechte wirkungslos oder selbstständige Kreative von wenigen großen Technologieanbietern abhängig werden. Die Kommission selbst will mit der Strategie erreichen, dass KI menschliche Kreativität ergänzt statt ersetzt und zugleich eine faire, nachhaltige und wettbewerbsfähige europäische Kreativwirtschaft unterstützt. (Kultur und Kreativität)

Innovation braucht Zugang – und faire Bedingungen

Für selbstständige Designer:innen ist KI längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr. Viele nutzen sie bereits im Arbeitsalltag. Gleichzeitig wachsen Abhängigkeiten von Plattformen und Modellen, deren Regeln, Preise und Trainingsgrundlagen wir kaum beeinflussen können.

Deshalb fordert die AGD europäische KI-Infrastrukturen und Förderinstrumente, die auch Soloselbstständigen und kleinen Unternehmen offen stehen. Wettbewerbsfähigkeit muss mit transparenter Datenherkunft, fairer Lizenzierung und europäischen Schutzstandards verbunden werden.

KI-Training ist nicht einfach Datenanalyse

Ein zentraler Punkt betrifft das Training generativer KI. Die AGD hält es für problematisch, dieses pauschal wie klassisches Text and Data Mining zu behandeln. Beim TDM werden Daten analysiert, um Informationen und Muster zu gewinnen. Generative Modelle werden dagegen darauf trainiert, neue marktfähige Inhalte zu erzeugen – und diese können mit den Arbeiten derjenigen konkurrieren, deren Werke als Trainingsmaterial dienten.

Auch wissenschaftliches TDM sollte deshalb auf seinen analytischen Zweck beschränkt bleiben und nicht zum Einfallstor für spätere kommerzielle Nutzung werden.

Wo massenhaft geschützte Werke genutzt werden, können kollektive Lizenzierungs- und Vergütungsmodelle sinnvoll sein. Aber: keine Zwangslizenz. Urheber:innen müssen eine individuelle Entscheidungsmöglichkeit behalten. Zahlen sollten nicht nur die Designer:innen, die KI-Werkzeuge nutzen, sondern auch und vor allem diejenigen, die Modelle trainieren und wirtschaftlich verwerten.

Rechte müssen praktisch funktionieren

Ein Recht hilft wenig, wenn es technisch nicht durchsetzbar ist. Deshalb fordert die AGD Transparenz über Trainingsquellen und verlässliche Rechte- und Lizenzinformationen, die entlang der digitalen Nutzungskette erhalten bleiben.

Einzelne Designer:innen und kleine Agenturen verhandeln zudem nicht auf Augenhöhe mit globalen KI-Anbietern. Funktionierende Lizenzmärkte, kollektive Verhandlungsmöglichkeiten und wirksame Rechtsdurchsetzung gehören deshalb ebenso zur KI-Politik wie technische Innovation.

Neue Exklusivrechte für vollständig autonom erzeugten KI-Content lehnen wir ab. Urheberrechtlicher Schutz soll an menschliche schöpferische Leistung gebunden bleiben; das Designrecht bleibt davon unberührt.

Transformation heißt mehr als Tools bedienen

Die KI-Transformation verändert Tätigkeiten, Geschäftsmodelle und Anforderungen an Designer:innen. Deshalb braucht es Weiterbildung und Förderprogramme, die auch für Soloselbstständige erreichbar sind.

Ebenso wichtig ist der Erhalt menschlicher Gestaltungskompetenz. Beobachten, einordnen, entwerfen, verwerfen, entscheiden: Diese Fähigkeiten sind Voraussetzung guter Gestaltung und Teil kultureller Souveränität. Wenn KI menschliche Kreativität ergänzen soll, muss Politik die Bedingungen erhalten und weiterentwickeln, unter denen Menschen künftig kreativ arbeiten und davon leben können.

Die AGD will deshalb Auswirkungen auf Einkommen, Berufsbilder, kulturelle Vielfalt, Marktkonzentration und Ressourcenverbrauch beobachten – und Kreative sowie ihre Berufsorganisationen dauerhaft in die europäische KI-Strategie einbeziehen. Genau dafür sieht die Kommission nach dem Call weitere Beteiligungsformate vor. (Kultur und Kreativität)

Unsere vollständige Stellungnahme kann hier eingesehen werden.

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