Vorstandssitzung in Osnabrück: 50 Jahre AGD und der Blick nach vorn

Am 18. April 2026 hat sich der Vorstand der AGD zur zweiten Vorstandssitzung des Jahres in Osnabrück getroffen – im Grafikbüro Moche, an einem Ort, der gut zu dem passte, worum es an diesem Tag immer wieder ging: um gemeinsames Arbeiten, um Austausch und um die Frage, was die AGD für Designer:innen heute und in Zukunft sein kann.

Zusammenkommen, wo Gespräche Raum bekommen

Natürlich standen viele praktische Punkte auf der Tagesordnung. Aber hinter ihnen lag ein größerer Zusammenhang: Die AGD wird 50 Jahre alt. Und dieses Jubiläum ist für uns nicht nur ein Datum, das organisiert werden will. Es ist ein Moment des Innehaltens. Ein Anlass, zurückzuschauen auf das, was viele Menschen über Jahrzehnte aufgebaut haben. Und zugleich eine Einladung, nach vorne zu fragen: Warum braucht es die AGD heute? Wofür setzen wir uns ein? Und wie können wir als Verband noch wirksamer werden?

Die Planungen für die Jubiläumsfeier wurden in Osnabrück weiter konkretisiert. Gefeiert werden soll bewusst am Gründungsort – und bewusst mit den Mitgliedern im Mittelpunkt. Kein klassisches Konferenzformat, keine Panels, keine Workshoplogik. Sondern ein Abend mit Feiercharakter, mit Begegnungen, Erinnerungen, Gesprächen und Musik. Ehemalige Vorsitzende und Wegbegleiter:innen sollen persönlich eingeladen werden. Denn 50 Jahre AGD sind nicht abstrakt. Sie bestehen aus Menschen, aus Haltung, aus Arbeit, aus Engagement.

Stärker werden durch Zusammenarbeit

Ein weiteres großes Thema war die Zukunft der Designberufsverbände. Die AGD will noch aktiver auf andere Verbände und Organisationen zugehen. Nicht, weil Zusammenarbeit immer einfach wäre. Sondern weil viele der Fragen, die uns beschäftigen, größer sind als ein einzelner Verband.

Es geht um faire Bedingungen für Designer:innen. Um politische Sichtbarkeit. Um Ressourcen, die sinnvoll genutzt werden. Um die Frage, wie Interessenvertretung in einer sich stark verändernden Arbeitswelt aussehen kann. Deshalb sucht die AGD das Gespräch mit anderen Akteur:innen der Designszene. Erste Gespräche, unter anderem mit dem BDG, wurden positiv bewertet; weitere Treffen mit VERA und der Designgewerkschaft sind geplant.

Dabei geht es nicht um schnelle Antworten oder fertige Modelle. Es geht darum, eine kritische Masse an Mitstreiter:innen zu finden und gemeinsam auszuloten, welche Formen von Kooperation, Struktur und gegenseitiger Unterstützung sinnvoll sein können. Für uns ist klar: Wenn Design gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch ernst genommen werden soll, müssen auch die Stimmen der Designer:innen gut vernetzt sein.

Fünf Themen, die uns gerade besonders beschäftigen

Neben dem Jubiläum und der Verbandsentwicklung haben wir in Osnabrück auch über die inhaltlichen Schwerpunkte gesprochen, mit denen sich die AGD aktuell besonders befasst. Fünf Themen stehen dabei im Zentrum.

Das erste ist Künstliche Intelligenz. KI verändert kreative Prozesse, Werkzeuge, Urheberfragen und Berufsbilder. Wir wollen dieses Thema weder reflexhaft abwehren noch unkritisch feiern. Uns interessiert, was KI für Designer:innen konkret bedeutet: für Autorschaft, Vergütung, Kreativität und die Abgrenzung künstlerischer Tätigkeit.

Das zweite Thema ist Selbstständigkeit und Absicherung. Viele Designer:innen arbeiten selbstständig – aus Überzeugung, aus Notwendigkeit oder aus beidem. Gleichzeitig passen soziale Sicherungssysteme oft nicht gut zu selbstständiger Arbeit. Die AGD setzt sich deshalb für Modelle ein, die unternehmerische Freiheit und soziale Sicherheit zusammendenken.

Drittens beschäftigen uns systemische Fragen: Widersprüche, Hürden und Absurditäten in Strukturen, die vielen Menschen das Arbeiten schwer machen. Design kann hier mehr leisten als Gestaltung im engen Sinn. Es kann Prozesse sichtbar machen, Beteiligte zusammenbringen und bessere Lösungen denkbar machen.

Viertens geht es um Verbandsarbeit und strategische Entwicklung. Dazu gehört die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen ebenso wie die Frage, wie unterschiedliche gestalterische Felder innerhalb der AGD sichtbarer werden können – etwa Illustration und illustratives Arbeiten.

Fünftens bleiben Recht, Tools und Förderstrukturen zentrale Aufgaben. Der Vergütungstarifvertrag Design, Beratung, Rechtsschutz, Mediation und die Arbeit der Geschäftsstelle sind ganz praktische Antworten auf sehr konkrete Fragen im Berufsalltag.

Die Vorstandssitzung in Osnabrück hat gezeigt: 50 Jahre AGD sind ein guter Grund zu feiern. Aber sie sind vor allem ein guter Grund, weiterzumachen. Zugewandt, streitbar, offen und mit dem klaren Ziel, Designer:innen zu stärken – heute und in den nächsten 50 Jahren.

Kommentar hinterlassen