»Sektor Berlin« folgt dem Ruf nach Potsdam 

Der »Sektor Berlin« macht sich auf den Weg nach Potsdam und entdeckt das neu eröffnete Kreativ Quartier mitten in der Stadt. AGD-Mitglied Angela führt die Gruppe durch ihr Atelier »Kaiserhimmel« und gibt spannende Einblicke in das genossenschaftlich organisierte Quartier. Zwischen historischen Gebäuden, kreativen Arbeitsräumen und zeitgenössischer Kunst wird deutlich, wie hier ein neuer Ort für Austausch und Zusammenarbeit entsteht. Auch die Herausforderungen rund um Stadtentwicklung, bezahlbare Ateliers und den Erhalt kreativer Freiräume kommen zur Sprache. Ein inspirierender Besuch, der zeigt, wie lebendig und vielfältig die Kreativszene in Potsdam ist.
26. September 2026 | AGD-Mitglied Angela führt uns durch das neue Kreativ Quartier Potsdam.

» … kommt vorbei, seid dabei. Und macht gern Vorschläge, welche Orte unser »Sektor Berlin« unbedingt ansteuern sollte.», heißt es in unseren Einladungen zu den Regionalguppentreffen Berlin-Brandenburg. Angela hat uns beim Wort genommen. Sie hat ihr Atelier »Kaiserhimmel« im Kreativ Quartier Potsdam bezogen, das am 4. September 2026 Eröffnung feierte. Genauer: Im »Langen Stall« mit der feine Adresse »Neue Plantage«.

Vom Ostkreuz aus passieren wir eine Landesgrenze, vom Bahnhof Potsdam aus laufen wir nur ein paar Minuten zum neuen Quartier. Da sei politische Absicht am Werk gewesen, die Politiker:innen und Stadtplaner:innen wollten Kunst und Kultur bewusst in der Mitte der Stadt verankern, erzählt uns Angela. Wohl auch als Gegengewicht zum Potsdamer Barock. 

Perfekt: Angelas Atelier »Kaiserhimmel« liegt direkt neben einer Eisdiele. Wir erfahren: Der »Lange Stall« ist genossenschaftlich organisiert. Ein Drittel der Fläche wird preisgedämpft vermietet, zwei Drittel werden an Solo-Selbstständige, Künstler:innen und kleine Kreativunternehmen vermietet. 

Das Quartier schmiegt sich um einen Spiel- und Sportplatz, an der Längsachse stehen zwei Gebäude wie im Widerspruch zueinander: Die restaurierte Garnisonskirche dicht an dicht neben dem Rechenzentrum-

Die Geschichte des Rechenzentrums  nachzulesen, das lohnt sich: https://de.wikipedia.org/wiki/Rechenzentrum_Potsdam

Sich für den Erhalt des Rechenzentrums einzusetzen, das lohnte sich auch: https://rz-potsdam.de

Das 1969–71 für den VEB Maschinelles Rechnen erbaute Rechenzentrum ist seit 2015 eine Adresse für Kreative aller Couleur. Im Foyer starren wir auf den stummen Hauswart. Über vier Stockwerke verteilt: Bildende Künstler:innen, Filmproduktionen, Probenräume, Ateliers. Die Mietverträge wurden bislang nur kurzfristig verlängert; der Freundeskreis Garnisonskirche wünscht sich den Platz für einen Erweiterungsbau.

An der Außenwand des Rechenszentrums prangt ein 60 Meter langes Mosaik mit dem Titel: »„Der Mensch bezwingt den Kosmos». – Eine Fortschrittsgeschichte aus dem Jahr 1972 von Fritz Eisel.

Aber deshalb sind wir ja gar nicht hier. 

Im rechten Winkel zum preußisch-sozialistischen Gespann blicken wir auf den »Neuen Stall«.  »Mein Vater« hat im Rechenzentrum gearbeitet, erzählt eine in Angelas Atelier; wir sind umzingelt von Himmelsbildern. Darauf hat sie sich spezialisiert.

Exkurs

Angela gibt dem »Sektor Berlin« einen Tipp. »Schließt eine Unfallversicherung ab.« Unsere Gastgeberin sitzt derzeit in einem Rollstuhl, ein Bein ist hochgestreckt, justiert. Dank dieser Versicherung komme sie gut über die Zeit. 

Das Gebäude-Ensemble ist weitestgehend barrierefrei, Angela lotst uns durch und klopft an Türen. Zwei Bildende Künstlerinnen öffnen uns, wir gewinnen Einblick in die Ateliers mit Dachfenster; in die Werkstatt, in Räume, die groß genug sind, um auch Zeichen-Unterricht anzubieten. 

Am Schwarzen Brett neben dem Fahrstuhl hängen Bilder, Zeichnungen, Malerei. Hier findet ein Kunstmarkt statt. Wer ein Werk mitnimmt, muss selbst eins hinterlassen. Austausch und Kooperation sind hier sichtlich gewollt. 

Ein Teil der Miete wird in die Genossenschaftsfläche im EG investiert. Von hier aus überblicken wir den Innenhof. Und begreifen jetzt, welche Institutionen und Firmen sich neben der Genossenschaft derzeit ansiedeln: Die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ), ein Musikhaus, eine Akademie. (MAZ). Während wir die Köpfe drehen, zieht eine Besichtigungsgruppe aus lauter Architekt:innen an uns vorbei.

Angela hat einen Überraschungsgast für uns eingeladen: Projektentwickler Christopher Weiß (Link) nimmt sich Zeit für uns und berichtet von der Planung, der Entstehung, den weiteren Plänen dieses Projekts. Mehr dazu hier: https://glockenweiss.de/kreativquartier-village/

Im Ensemble herrschen Rauch- und Laserdrucker-Verbot. Sowie Freiheit vom Konsumzwang, hier sollen zahlreiche »konsumfreie Orte« entstehen. Klingt gut? –  Wer ein Atelier sucht, kann sich nach wie vor bewerben. 

Angela beschreibt ihr Engagement in der Genossenschaft – wer hier mitmacht, wird Teil der Grupp »Stallrunde« – mit dem Motto: Es gilt, den Teufelskreis der Gentrifizierung zu durchbrechen. »Potsdam hat genug Aufmarschplätze.« 

Vielen Dank für die Einladung, Angela. Für die Führung, Deinen Blick auf diesen brandneuen Ort inmitten von Restauration, kosmischen Zukunftsträumen und blitzwacher, wachsamer Moderne. 

Wir kommen wieder: Am 5. Dezember findet hier der »Designmarkt« statt. 

Kommentar hinterlassen