Prada, Finanzamt-Briefe und Softeis-Maschine

Wir waren auf der »Freelance Unlocked«-Konferenz am 11. Und 12. Juni in Berlin. Die freundliche Stimme am Telefona, Daniela Plügge, beschreibt ihren und unseren Eindruck der Veranstaltung - inklusive Eispause.

Wofür lässt sich ein Ziegelstein verwenden?

Dr. Dorothea Winter testet die Kreativität des Publikums. Wir sind auf der »Freelance Unlocked«Konferenz im Berliner Kino »Collosseum«. Abends läuft »Der Teufel trägt Prada 2«. An zwei Juni-Tagen flanieren Solo-Preneur:innen durch die Kino-Kuppel. Auf dem Weg zu einem der zahlreichen Vorträge rund um die Selbstständigekti, auf dem Weg zu den Vertreter:innen der BAGSV, des »Freelancer Team«, von exali uvm. Dem Klischee »Kein Startup ohne Kicker« wird herzlich zugewinkt. Hier stehen moderne Klassiker aus der Game-Kultur: Kicker, Air Hockey und Pong.

»Für’s Argumentieren», sagt eine. »Zum Bauen«, sagt ein anderer.

Victoria Ringleb moderiert die Diskussion im Anschluss an Winters Vortrag „Kann KI Kreativität», sie muss dirigieren: Im Publikum herrscht berherzte Uneinigkeit. Hie ist gewiss, dass «der Mensch» – der Profi, die Expertin – im eigenen Fachgebiet unersetzlich bleiben werden, denn: Den Unterschied, den merke man ja. »Sorry, aber da muss ich krass widersprechen«, heißt es. Da sei Selbstüberschätzung am Werk, was die KI leiste, ließe sich nicht längst nicht mehr »enttarnen«.

Die Frage taucht auf: Wer noch die Zeit hat und bekommen wird zu lernen, sich Fachkenntnisse anzueignen. Wenn die Zeit für Erfahrung, Herantasten, Lernprozesse, von KI einkassiert wird, wer lernt noch von der Pike und was mag verloren gehen. Oder ist die Pike so altmodisch wie das »per aspera ad astram«, der in Stein gemeißelte Spruch an den Wänden vieler ehemaliger Buben-Gymnasien.

Wir holen uns Softeis.

»Statusfeststellungsverfahren«. Wer als Selbstständiger und Freiberuflerin unterwegs ist, kennt das Wort. Sowie die jahrelange Diskussion. »Die politische Landschaft für Freiberufler und Einzelunternehmer in Deutschland« ist ein Podium benannt, auf dem sich alle einig sind: Dass es jetzt wirklich schneller gehen wird, den Kriterienkatalog festzuklopfen. Der Tenor: Selbstständigen, die ins Risko gehen, muss kein allzu fest gezurrtes Sicherheitsnetz gesponnen werden. Rahmenbedingungen statt Fangnetz.

Wir nehmen Impulse von Sophia Herrmann zur Rollenkonfusion mit – wer bin ich, wenn ich kreativ bin und wer bin ich, wenn ich umhimmelswillen die Buchhaltung machen muss! – uns wie die Konfusion auszutricksen ist. Wir lernen von Manuel Großmann, was zu tun ist, wenn ein Brief vom Finanzamt zu Hause landet, in dem eine Tiefenprüfung angekündigt wird: Die Eltern anrufen! Dann aber geeignete Software am Start haben, mit der Steuer und Buchführung – ein Thriller-Thema in nahezu allen Vorträgen – geschmeidig organisiert werden können.

Gute Laune und gutes Essen in der Kino-Kuppel, handfeste Impulse zum Leben, Lernen, Wachsen, Steuer-Machen in der Selbstständigkeit und inmitten, dazwischen: intensive Diskussionen zur Lage außerhalb der Kinokuppel und der eigenen Rolle und Perspektive darin. Wir spielen eine Runde Air Hockey und hören im Vorbeigehen, wie eine Speakerin sagt: »You need to read fiction.«

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