Das ist auf seine spezielle Weise immer ein kleines Highlight, da verlässlich jedes Mal alle Teilnehmenden die Randlage der Stadt mit der dazugehörigen umständlichen Anreise kommentieren und sich davon unbeeindruckt an der Schönheit von Hafen, Deich und Gestade erfreuen. Ganz zu schweigen von der allfälligen Hafenrundfahrt.
Erst mal KI in Arbeitsgruppenatmosphäre
Bereits im letzten Jahr hat sich im KSK-Beirat eine Arbeitsgruppe zum Thema “Künstliche Intelligenz und Künstlersozialversicherung” zusammengefunden. Denn es muss zumindest herausgefunden werden, inwieweit die Technologie mit ihren tiefgreifenden Veränderungen Auswirkungen auf Versicherte, Abgabepflichtige und die Künstlersozialkasse selbst hat. Denn es muss gleichermaßen sichergestellt werden, dass
- niemand den Versichertenstatus verliert, dem*der er zusteht
- niemand versichert wird, der*die nicht eigenschöpferisch im Sinne des KSVG arbeitet
- alle abgabepflichtig sind, die es sein müssen, weil sie künstlerische Arbeit verwerten
- die Mitarbeitenden der KSK souverän und verlässlich arbeiten und entscheiden können
Im Dialog mit Versichertenvertreter:innen, Vertreter:innen der Abgabepflichtigen, Mitarbeiter:innen der KSK und Vertreter:innen des BMAS tauschen wir uns regelmäßig dazu aus und erarbeiten uns erste Schritte und Maßnahmen auf Verwaltungsebene und in der Gesetzgebung. Es geht um Fragen wie:
- Hat die seit Anfang August geltende KI-Kennzeichnungspflicht Konsequenzen für die Künstlersozialversicherung?
- Gibt es möglicherweise neue künstlerische Tätigkeiten (prompt engineering), deren Potential, versichert zu werden, geprüft werden muss?
- Welche Folgen hat KI für die soziale Absicherung selbstständiger Künstler:innen und für die Finanzierungslogik der KSK?
- Wie muss der Begriff der künstlerischen Tätigkeit im KSVG weiterentwickelt werden, wenn KI zu einem alltäglichen Produktionswerkzeug wird? Und wie können neue KI-gestützte Berufsbilder sozialversicherungsrechtlich eingeordnet werden, ohne für jede technologische Entwicklung neue Berufskategorien schaffen zu müssen?
- Muss der Begriff des „Verwerters“ angesichts generativer KI neu gedacht werden? Je stärker kreative Leistungen automatisiert werden, desto weniger wird möglicherweise über die klassische Künstlersozialabgabe finanziert – obwohl die KI-Wertschöpfung weiterhin auf der Arbeit und den Werken von Kulturschaffenden aufbaut.
Mit Blick darauf zeichnet sich wenig überraschend immer mehr ab, dass wir für unseren Prozess wissenschaftliche Begleitung brauchen. Dafür werden wir in einem nächsten Schritt Forschungsfragen formulieren und mit dem BMAS klären, wer das übernehmen und finanzieren kann.


Dann eine Runde durch den Hafen
Die Hafenrundfahrt am Vorabend der eigentlichen Sitzung ist Tradition und Legion gleichermaßen. Der Anbieter wechselt, die Geschichten bleiben stabil die gleichen, das Seemannsgarn inklusive Ostfriesenwitz auch, und die Teilnehmenden fragen sich alle vier Jahre, was eigentlich mit “Schietwetter” gemeint ist, wir kennen nur Sonne.
Am Mittwoch die eigentliche Sitzung
Der Themen gibt es wie jedes Mal viele, die Anspannung und Verunsicherung durch die politische Situation ist beinahe mit Händen greifbar. Daher hier mal das, was es Gutes zu berichten gibt.
Wer bislang damit gehadert hat, dass die KSK telefonisch so schlecht zu erreichen ist, wird sich freuen zu lesen, dass hierzu Abhilfe geschaffen wurde. Das unbrauchbare Call Center wurde abgeschafft und eine interne Lösung gefunden. Die Quote der Erreichbarkeit ist damit von weniger als 50 auf mehr als 70 Prozent gestiegen. Das schafft die Bahn nicht innerhalb von drei Monaten.
Wir haben uns zur Digitalisierung der KSK ausgetauscht. Das Ziel ist es nach wie vor, die wesentlichen Prozesse zu digitalisieren, um sie schneller, schlanker und weniger fehleranfällig zu machen.
Darüber hinaus ging es um wichtige gesetzgeberische Vorhaben wie eine Regelung, dass künftig auch große ausländische Plattformen KSK-Abgabe zahlen müssen, wie auch grundsätzlich geprüft werden soll, die Abgabepflicht nicht auf inländische Auftraggeber:innen zu beschränken. Das wird den modernen Geschäftsmodellen und Absatzmöglichkeiten für kreative Leistungen schlicht nicht mehr gerecht. Zudem würde eine Ausweitung der Abgabepflicht die Finanzierung der KSK insgesamt stabilisieren.
Zum Schluss ein kleiner Hinweis zu einem neuen Service der KSK. Sie bietet eine regelmäßig online stattfindende Sprechstunde an. Bei diesem Format gibt es keinen Vortrag. Vielmehr ist die Veranstaltung dezidiert euren Fragen vorbehalten, die direkt beantwortet werden. Die nächsten Termine findet ihr hier.
