Bundespreis Ecodesign 2025

Schuhe aus Wolle, Leder aus Hanf, Särge aus Pilz. Im Dezember 2025 wurde zum 14. Mal der Bundespreis Ecodesign in Berlin verliehen, die höchste staatliche Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland. AGD-Vorstandsmitglied Thomas Hoyer war dabei und berichtet.

Seit 2012 wird der Bundespreis Ecodesign vom Bundesumweltministerium (BUWM) und dem Umweltbundesamt (UBA) in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Design Zentrum Berlin (IDZ) verliehen. Als nicht kommerzieller Designpreis steht er für Qualität und Glaubwürdigkeit. Ausgezeichnet werden zukunftsweisende Konzepte, Produkte und Dienstleistungen, die sowohl aus Umwelt- als auch aus Designsicht überzeugen. 

Einige Zahlen

380 Ideen wurden eingereicht, 150 schafften es in die Vorauswahl, daraus wurden 30 nominiert und 14 gewannen schließlich den Preis in einer der vier Kategorien Produkt, Konzept, Service oder Nachwuchs. Die Menge an Einsendungen lässt sich nur bewältigen, weil es einen großen Beirat von 41 Personen gibt, ergänzt um 50 Mitarbeiter:innen aus dem Umweltbundesamt. Eine Fach-Jury aus 9 Mitgliedern schließlich nominiert die letzten 30 und wählt die Gewinner aus. 

Einzigartig an dem Wettbewerb ist zudem, dass jede Einsendung eine Rückmeldung bekommt.

Eine Auswahl

Da ist zum Beispiel der Schweizer Produktdesigner Joel Hügli. Als er erfuhr, dass in seinem Land jährlich etwa eine Million Matratzen entsorgt werden – Recyclingquote: 0 %! – und zwei Drittel der Bewohner nicht zufrieden sind mit ihrem Schlafkomfort, inspirierte ihn das zu seiner Masterarbeit: eine eigene und kreislauffähige Matratze zu entwerfen. Die kam so gut an, dass er beschloss, ein Unternehmen zu gründen. Neben dem durchdachten, wieder trennbaren Aufbau und der Verwendung langlebiger Materialien – kein Schaumstoff –, garantiert er seinen Kunden, ihre gekauften Matratzen am Ende ihrer Verwendung zurückzunehmen, um sie materialgerecht zu recyceln. 

Nicht so fancy, aber heute eines der drängendsten Themen, das dem Gründer von Wasteer, Benedict von Spankeren, einem der Gewinner in der Kategorie „Service“, aber eher wie eines der von der Wirtschaft verdrängtesten vorkam: Das Recyceln von Abfall. Mangelnde Digitalisierung verhindert das Erfassen verschiedener Wert- wie Schadstoffe, die daher einfach alle zusammen verbrannt werden. Achselzuckender Kommentar dazu: Abfall sei nun mal eine Blackbox. Na, Mahlzeit! Wasteer entwickelte eine KI-basierte Plattform, die es effizient ermöglicht, gleich bei der Anlieferung stofflich verwertbare Teile zu identifizieren und bei kritischen Störstoffen automatisch Alarm zu schlagen. 

Wer weiß, wie schnell Pilze im Wald aus dem Boden sprießen bei günstiger Witterung, kann nachvollziehen, dass Pilzgewebe in Sarggröße (nein, die haben keinen Sargpilz gezüchtet) nur sieben Tage braucht, bis die Form vollendet und tragfähig ist, verstärkt durch upgecycelte Hanffasern. In die Erde gegeben, zersetzt er sich vollständig innerhalb von 45 Tagen und bereichert nebenbei noch den Boden. Und die Oberfläche des Materials fühlt sich „überraschend weich an“, wie eine Kundin zitiert wird. 

Auch diese Geschäftsidee basiert auf einer Abschlussarbeit, entstanden an der Technischen Uni in Delft, Niederlande, durch Bob Hendrikx und Lonneke Westhoff, die mit lebenden statt leblosen Materialien arbeiten wollten, um einen positiven Fußabdruck hinterlassen zu können.

Die „Vertreter“ von Miele, Vorstandsmitglied Rebecca Steinhage und Industrie-Designer Andreas Enslin, hatten eine schöne Geschichte zu erzählen über ihr prämiertes Produkt, einen Staubsauger. Die Designstudie „Vooper“ war ursprünglich gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen, sondern sollte dazu dienen, die eigenen Leute davon zu überzeugen, dass Nachhaltigkeit und zirkuläres Denken nicht Abstriche oder Verzicht bedeutet, womit es ja auch in der allgemeinen Öffentlichkeit vielfach assoziiert wird, sondern sich im Gegenteil sehr wohl mit den Ansprüchen einer hochwertigen Marke verbinden lässt. 

Das Design Center, das Herr Enslin leitet, enwickelte ein Gerät, das den Anteil von Kunststoff auf 15 % der bisherigen Menge reduzieren konnte und er lässt sich zudem komplett auseinander nehmen. Und zusätzlich sieht er auch noch gut aus. 

Die Präsentation war dann so erfolgreich, dass Steinhage und Enslin beschlossen, die Studie durch die Teilnahme an diesem Wettbewerb auch der Öffentlichkeit vorzustellen. Gutes, durchdachtes Design überzeugt halt.

Das Produkt, dass mich persönlich am meisten begeistert hat unter den prämierten Arbeiten dieses Jahr, war ein ganz unscheinbares: Ein Frühwarnsystem vor dem Borkenkäfer, eine Abschlussarbeit von Emma Rahe (die in der Vergangenheit schon die Trophäe des Ecodesign-Preises gestaltet hatte) und Levin Budihardjo Welim von der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd.

Gefertigt aus ligninbasiertem Biokunststoff, modular aufgebaut, wartungsarm, nicht invasiv und leicht am Baum anzubringen, kann es mittels Bioakustik Käferfraß im Sommer und Specht-Aktivitäten im Winter erkennen und KI-unterstützt analysieren, um die Förster frühzeitig warnen zu können, dass ein Baum befallen ist, ohne, dass erst Schäden sichtbar sein müssen. So können einzelne Bäume entfernt werden, bevor der ganze Bestand infiziert ist. Großartig! 

Gut finde ich auch den Ansatz, der zu dem Projekt geführt hat: Den beiden ging es darum, beispielhaft aufzuzeigen, welches Potenzial in KI für das Produktdesign steckt beim Finden konkreter Lösungsansätze, anstatt sich immer nur auf die Gefahren zu fixieren, die von KI ausgehen könnten.

Es gäbe noch über so Vieles zu berichten

Vom SHIFTphone 8, das für seine modulare Bauweise schon einmal den Ecodesign-Preis gewonnen hatte und nun um einen Wasserschutz erweitert wurde. Schuhe, die zu 100 % aus Wolle bestehen. Die nass- und laugenfesten Etikettenpapiere der Firma Steinbeiss, die als Spezialpapiere normalerweise nicht recycelbar sind, weshalb Steinbeiss eine eigene Aufbereitungstechnik entwickelt hat, um ihre Etiketten in einem „closed loop“ auch selbst wieder zu recyceln.

Mehr Produkte vom Event.

Wer selber teilnehmen will: Ende Januar beginnt die Ausschreibung für den nächsten Wettbewerb. Wer zudem in der Nähe von Berlin wohnt oder im September dort ist, sei der Besuch der Vorauswahl-Ausstellung empfohlen. Nicht nur wegen der Vielfalt der Ideen, sondern weil viele der Designer:innen der Projekte ebenfalls vor Ort sein werden. Ich finde es immer inspirierend und mitreißend, mit Menschen zu sprechen, die von ihrem Tun überzeugt sind. Nicht umsonst heißt es: Dort, wo ein Begeisterter steht, ist der Gipfel der Welt.

Autor: Thomas Hoyer

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