Vorstandssitzung in Müllheim: Mitgliedschaft stärken, Zusammenarbeit suchen, Zukunft gestalten

Am 3. Oktober 2026 hat sich der AGD-Vorstand in Müllheim getroffen. Auf der Tagesordnung standen Mitgliederentwicklung, Zusammenarbeit mit anderen Designverbänden, öffentliche Vergaben, neue Angebote für den Berufsalltag – und natürlich die letzten Vorbereitungen für 50 Jahre AGD. Hinter vielen Einzelthemen stand dabei eine gemeinsame Frage: Wie muss sich ein Berufsverband aufstellen, damit er für Designer:innen auch in Zukunft relevant bleibt?

Mitgliedschaft muss ihren Wert zeigen

Hier neigen wir alle gern dazu, uns schnell drei, vier neue Angebote oder Formate zu überlegen, die wir jetzt mal auch noch umsetzen können. Was aber, wenn es gar nicht das ist, was es braucht? Damit waren wir gleich zu Beginn mittendrin in der Diskussion, die sehr konkret wurde. Vertragsgrundlagen und Rechtsberatung, Wissen rund um die KSK, Webinare und KI-Textbausteine, politische Interessenvertretung, Regionalgruppen und ein Netzwerk, in dem man mit beruflichen Fragen nicht allein bleibt – all das gehört zur AGD. Aber wir müssen noch besser darin werden, diesen Nutzen sichtbar zu machen. Auch diejenigen Mitglieder, die sich bislang eher leise im Verband bewegen, wollen wir stärker erreichen und einbinden. 

Zusammenarbeit: nicht um ihrer selbst willen

Ein zweiter großer Themenkomplex war die Zusammenarbeit der Designverbände. Die Gespräche mit anderen Organisationen laufen weiter, zugleich beschäftigt uns die künftige Rolle des Deutschen Designtags.

Dabei geht es weniger um die Frage, ob Kooperation grundsätzlich eine gute Sache ist. Das ist sie. Spannender ist: Wofür arbeiten wir gemeinsam – und was entsteht daraus konkret? Der Deutsche Designtag arbeitet an neuen Angeboten für seine Mitgliedsverbände und zugleich an einer gemeinsamen Erzählung darüber, welche Rolle Design wirtschaftlich und gesellschaftlich in Deutschland spielen kann.

Für die AGD bleibt dabei wichtig, eigene Vorhaben weiterzuentwickeln und zugleich den Austausch mit anderen Verbänden zu suchen. Denn viele Herausforderungen ähneln sich: sinkende Ressourcen, veränderte Geschäftsmodelle, politische Sichtbarkeit und die Frage, wie Berufsverbände ihren Mitgliedern in einer sich schnell wandelnden Arbeitswelt echten Mehrwert bieten können. 

Besser ausschreiben, besser gestalten

Wie sehr Verbandsarbeit ganz praktisch werden kann, zeigte ein Gespräch mit dem Staatsanzeiger Baden-Württemberg. Öffentliche Ausschreibungen sind für Designer:innen ein großes potenzielles Arbeitsfeld – zugleich scheitert der Zugang immer wieder an Vergabeverfahren, die für gestalterische Leistungen nur bedingt geeignet sind.

Genau hier kann Designkompetenz helfen: Wie formuliert man eine Ausschreibung so, dass am Ende nicht lediglich der niedrigste Preis entscheidet, sondern eine gute gestalterische Lösung möglich wird? Für den 23. Juni 2027 ist in Stuttgart eine größere Veranstaltung rund um öffentliche Vergabe geplant. Die AGD ist als Kooperationspartner gesetzt und könnte dort unter anderem mit einem Workshop vertreten sein. 

Das Thema passt gut zu unserem Selbstverständnis: Wir wollen nicht nur erklären, warum die Bedingungen für Designer:innen manchmal schwierig sind. Wir wollen dort mitarbeiten, wo diese Bedingungen gestaltet werden.

Wissen, das im Arbeitsalltag wirklich hilft

Auch unsere Angebote für den Berufsalltag entwickeln sich weiter. Die neuen Allgemeinen Vertragsgrundlagen werden sehr gut angenommen. Gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher, dass standardisierte Vertragsvorlagen allein nicht mehr ausreichen. Die Geschäftsmodelle unserer Mitglieder sind zu unterschiedlich: Werk- und Dienstverträge, Kooperationen, Datenverarbeitung, Nutzungsmodelle und viele Mischformen lassen sich kaum sinnvoll mit einem einzigen Lückentext abbilden.

Deshalb arbeiten wir an einem anderen Ansatz: KI-gestützte Werkzeuge sollen Mitglieder künftig dabei unterstützen, aus verlässlichen Grundlagen heraus passende Vertragsentwürfe zu entwickeln. Nicht als Ersatz für juristische Prüfung, sondern als intelligentes Werkzeug für den ersten Schritt. Dazu kommen bereits jetzt Textbausteine für Angebote und den Umgang mit KI. 

Auch unser Webinarprogramm steht auf dem Prüfstand. Die Zahl der teilnehmenden Mitglieder ist stabil, die kostenpflichtigen Buchungen von Nichtmitgliedern dagegen sind zurückgegangen. Deshalb kehren wir zum konsequenten 14-täglichen Rhythmus zurück, verbessern die Kommunikation und wollen das Programm künftig gezielter und designfachlicher entwickeln. Perspektivisch bleibt zudem die Idee einer gemeinsamen Weiterbildungsplattform mehrerer Verbände auf dem Tisch. 

Und dann wird erst einmal gefeiert

Bei all diesen Zukunftsfragen darf etwas sehr Gegenwärtiges nicht untergehen: Unsere Festschrift ist im Druck, und Ende November feiern wir in Bremen 50 Jahre AGD. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – von der Mitgliederversammlung mit Vorstandswahl bis zur großen Feier am Samstagabend. (Mehr Infos und die Anmeldemöglichkeiten findest du wenn du auf das Bild unten klickst.)

Vielleicht passt es ganz gut, dass die letzte Vorstandssitzung vor diesem Jubiläum so stark vom Blick nach vorn geprägt war. Denn 50 Jahre Verbandsgeschichte sind kein Grund, es sich in der Vergangenheit gemütlich zu machen. Sie sind eine ziemlich gute Ausgangsbasis für die Frage, was die AGD in den kommenden Jahren sein soll: nützlich im Alltag, hörbar nach außen und ein Ort, an dem Designer:innen gemeinsam mehr erreichen können als allein.

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