

Is a city’s unfinished state a strength or a structural failure?
Am Entrée platziert: Eingangsfragen. »Ist der unvollendete Zustand einer Stadt eine Stärke oder ein stukturelles Versagen?» – Das Publikum votiert für Unfertigkeit, Offenheit, man muss nicht alles festlegen. Der Blick auf das Tempelhofer Feld erinnert daran, wie virulent diese Frage ist.
Der Deutsche Designtag (DT) ist prominent vertreten. Acht Mitgliedsverbände präsentieren sich Seit an Seit. Inmitten von Kunstpalmen, Abfertigungsschaltern und Signature CD gibt’s viel Platz und Zeit für Gespräche.


Wir treffen Kolleg:innen, träumen von einem Design-Kaufhaus in Berlin – wo gäbe es die vielen Designprodukte anzuschauen, zu erwerben, die an den Universitäten entwickelt werden? Ein paar Gegenstände liegen aus. Das Produkt »Astro« schlägt uns in den Bann. Ein Modul-Handy, dessen Ästhetik an »Raumschiff Orion« erinnert. Einzelne Module lassen sich zusammenstecken und wieder voneinander lösen. Sodass man nicht jederzeit telefonisch erreichbar ist oder Bilder knipsen kann. Wir plaudern mit dem Entwickler, der vom Vorteil spricht, sich nicht stets via GPS orientieren zu können. – Öfter mal verlaufen!


Saal 2 war einst ein Restaurant, mit Panoramafront direkt am Flugplatz, nun umstrittenes Feld. Wir reißen uns zusammen und konzentrieren uns auf die Diskussion über die Zukunft der Ausbildung: »Designlehre, KI und Lernen für Berufe, die wir noch nicht kennen.« Moderiert von Victoria Ringleb.


Tolle Runde: Ludwig Thiede und Emily Eichenlaub sind Gründer:innen des Social Startup »LifeTeachUs«, das Leute aus der Praxis an Schulen vermittelt, um die Freistunden aka den Unterrichtsausfall mit Praxiswissen zu füllen. Lars Boettger von der FH Salzburg erforscht in seiner Masterarbeit, »wie Design optimistische Zukunftsvisionen und positive gesellschaftliche Narrative in Krisenzeiten fördern kann«. Manja Unger-Büttner steuert philosophische Grundlagen bei; an der FH Dresden hat sie eine Professur inne für Designforschung mit Schwerpunkt Designphilosophie und Ethik. Victoria geht rein: Werden sich Studierende in der Zukunft noch mit Mappen bewerben? Und: Kann man Optimismus – der nicht naiv ist – lernen? Und müssen wir nicht erst einmal verkraften, dass sich jüngere Leute, die einen Roman lesen wollen, die KI anschmeißen und eine Storyline prompten? Wie können wir uns orientieren, was in der Zukunft gebraucht wird?
Ob eine Arbeit mit KI oder ohne KI erstellt worden ist, die Unterscheidung sei verkehrt, spricht Unger-Büttner. Mappen werde es weiterhin geben, schon weil Studierende Mappen erstellen wollen. Entscheidend, so das Panel, sei die Fähigkeit zu kontextualisieren und Prozesse zu begleiten. Frei heraus spricht Boettger von einem Aspekt, der ihm in seiner Ausbildung gefehlt habe: Systemtheorie. Wir erfahren, dass »Optimismus« ein trainierbarer Muskel ist, Orientierungslosigkeit eine Befreiung sein kann und erleben, wie der Handlungsspielraum befragt wird angesichts aktueller Wahlergebnisse. Wir nehmen mit: mehr Systemtheorie wagen, Luhmann lesen, die Autor:innenschaft in unterschiedlichen Institutionen und Situationen ausbilden.


