Vor der Sommerpause hat die VG Bild-Kunst zur ihrer jährlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Hierzu ein kurzer Bericht zu den für die Designbranche relevanten Themen.
Der richtige Kurs für die Zukunft
Zur Ausrichtung der VG Bild-Kunst berichtet der Geschäftsführer, Dr. Urban Pappi, dass die Geschäftsleitung sich mittelfristig auf einen Generationenwechsel einstellt und was bis dahin noch geschaffen werden soll. Vor allem geht es ihm darum, dass die Bild-Kunst nicht nur als Inkassostelle, sondern als Identifikationsfläche ihrer Mitglieder wahrgenommen werde. So wird sich die Geschäftsleitung weiterhin mit dem Umstand rückläufiger Einnahmen, die mittlerweile die 60-Millionen-Euro-Grenze unterschritten haben, beschäftigen müssen.
Geld aus anderen Quellen
Wie in den Vorjahren berichtet, sind bei der Durchsetzung der Plattformlizenz die Plattformbetreiber – bis auf eine Ausnahme – weiterhin nicht bereit zu kooperieren. Die ersten Verfahren liegen immer noch unbehandelt bei der Schiedsstelle des Deutschen Patent- und Markenamtes. Weil bei einigen Verfahren die Jahresfrist abgelaufen ist, wird nun überlegt, die ordentlichen Gerichte direkt anzurufen.
Als weitere Einnahmequelle strebt die VG Bild-Kunst eine pauschale KI-Lizenz an. Weil das derzeitige Urheberrecht einen Vergütungsanspruch nicht enthält, sieht Pappi bei der politischen Arbeit einen heißen Herbst vor sich. Einer Micropayment-Lösung erteilt er die Absage und spricht sich ohne Umschweife für ein kollektives Vergütungsmodell aus.
Ein weiterer Rückgang bei den Ausschüttungen wird darin vermutet, dass die Games-Industrie neuerdings an den gesetzlichen Vergütungsansprüchen beteiligt werden möchte. Für Designer_innen, die in dieser Branche tätig sind, hätte es den erfreulichen Nebeneffekt, dass diese Arbeiten in Zukunft besser berücksichtigt werden. Um die Interessen dieser Kreativen besser vertreten zu können, würden wir uns über eine Rückmeldung freuen, wer im Games-Bereich sein Geld verdient. Je mehr sich melden, umso gewichtiger können die AGD-Vertreter in den zu erwartenden Verteilungsdiskussionen auftreten.
Bild-Kunst im digitalen Zeitalter
Spürbar wird auch die Fortentwicklung des Mitgliederportals. Allein durch den Verzicht auf eine postalische Versendung von ungefähr 140.000 Einladungsschreiben jährlich erhofft sich die Geschäftsleitung erhebliche Einsparmöglichkeiten. Weil sich allerdings erst 10.000 Mitglieder in ihren Mitglieder-Accounts angemeldet haben, zögert die Geschäftsleitung noch davor, die Briefkorrespondenz einzustellen. Die Mitglieder werden sich mittelfristig darauf einstellen müssen, dass die Kommunikation, womit vor allem die Honorarmeldungen gemeint sind, nur noch digital möglich sein wird. Gerade weil eine Zwei-Faktor-Authentisierung erforderlich ist, kann man eine Zögerlichkeit bei der Umstellung auf eine digitale Teilhabe durchaus nachvollziehen. Gleichwohl sollte man sich nicht erst kurz vor dem Ablauf einer Meldefrist Ende März mit dem Mitglieder-Account beschäftigen. Jedes digitale System hat seine Macken, an die man sich gewöhnen muss. Wer sich also früh mit seinem Account beschäftigt, ist im Vorteil und muss nicht um Verlust einer Jahresausschüttung bangen.
Bei der Aussprache in der Mitgliederversammlung ging es auch um die Sichtbarkeit der VG Bild-Kunst. Hierzu äußerte eine Design-Kollegin, dass sie erst nach 20 Jahren ihrer Berufstätigkeit von der Verwertungsgesellschaft erfahren habe – und das über ein AGD-Webinar (sic). Das lässt einen innerlich feiern und beschwingt nach Hause fahren.
