Dein Skizzenbuch – Buchrezension von Christina Saar

Mit viel Herz, Humor und einer gehörigen Portion Zeichenlust bespricht AGD-Mitglied Christina Saar das Buch Dein Skizzenbuch von Martina Friedli. Ihre Rezension zeigt, warum ein Skizzenbuch weit mehr sein kann als ein Ort für Zeichnungen: Es wird zum Erinnerungsarchiv, Ideenspeicher und kreativen Begleiter im Alltag. Dabei gelingt es Christina Saar, die Freude am analogen Festhalten von Gedanken und Erlebnissen ebenso lebendig zu vermitteln wie die Inspiration, die von Friedlis Buch ausgeht.

Ist immer bei dir, wenn du willst

»Skizzenbuch: Fördert direkt das visuelle Denken, Rhythmus des Zeichnens und schnelles Festhalten von Ideen. Sehr gut für spontane Inspiration, handwerkliche Übung und persönliche Handschrift.

Dient als manuelle, taktile Aktivität. langsames Zeichnen, Kontrollieren der Linien, Fokus auf den Moment – das beruhigt oft den Geist und reduziert Stress. Praktisch bei Reizüberflutung und für Achtsamkeit.«

ChatGPT

Als auf Seite 24 das Zeichnen von Buchstaben in 3-D erklärt wird, musste ich kurz das Schreiben unterbrechen, um zu zeichnen. In den Fingern wurden Kindheitserinnerungen wach an kleine Pausen, gefüllt mit dem Zeichnen von großen, dreidimensionalen Buchstaben. Waren die Pausen länger, wurden die Buchstaben gerne noch aufwändig verziert.

Ich gebe zu: Das Zitat von ChatGPT am Anfang ist gekürzt. Die KI preist natürlich auch die eigenen Fähigkeiten an. »KI: Kann helfen, indem sie Ablenkung bietet, neue, beruhigende Ideen liefert oder Entspannungs-Sessions unterstützt. Vorteil: kein manueller Aufwand, flexibel anpassbar.« Chatti, du hattest nie einen Stift in der Hand. So kannst du es nicht wissen: Das ist kein Aufwand, sondern es ist pures Vergnügen.

Das Flüchtige, das bleibt

»Dein Skizzenbuch« von der Schweizerin Martina Friedli ist inspirierend, sinnlich und herzerwärmend. Sie empfiehlt ein Skizzenbuch als täglichen Begleiter im Alltag, auf Reisen, für »AUSZEITEN mit ANSAGE«. Und sie tut alles dafür, dass uns die Umsetzung gelingt.

Was haben wir davon, ein Skizzenbuch zu führen? Martina Friedli sagt es uns. Zum Beispiel dient ein Skizzenbuch als Zeitmaschine. »Funktioniert wirklich! Oft kann ich mich sogar an Geräusche und Gerüche erinnern beim Durchblättern alter Skizzenbücher.« Eine Skizze ist laut Duden eine »mit groben Strichen hingeworfene, sich auf das Wesentliche beschränkende Zeichnung [die als Entwurf dient]«. Wikisource definiert: »(v. ital. schizzo, franz. esquisse), eigentlich Spritzfleck, in den bildenden Künsten ein flüchtiger Entwurf zu einem Kunstwerk, das erst nachher ordentlich ausgeführt werden soll, oder eine flüchtige Nachbildung eines Gegenstandes zur späteren Verwertung.« Stimmt nicht immer. Und der Eindruck, den das Zeichnen in ein Skizzenbuch hinterlässt, ist augenscheinlich alles andere als flüchtig. Er ist eine bleibende, lebendige Erinnerung, die sich beim Ansehen der Zeichnungen abrufen lässt. Das kann keine KI, sie hat keine Chance gegen die Zusammenarbeit von Hand, Gehirn und Emotion.

Apropos Hand, Gehirn und Emotion: Das wunderschön gestaltete Buch aus dem Verlang Hermann Schmidt bietet allen etwas. Die gedeckten Farben strahlen Wärme aus, das Papier ist ein Handschmeichler und FSC-zertifiziert, die Ecken sind abgerundet, und der Titel allein ist schon eine Einladung zum Zeichnen. Eine Einladung mit Klecks. Der ist wie das Muttermal im Gesicht von Marylin Monroe und macht die Schönheit vollkommen. Aber das verstehst du nicht, Chatti. 

Eines für alles

Im nächsten Kapitel zeigt uns die Autorin das Handwerkszeug und gibt gleich Shopping-Tipps dazu. Das Etui zum Beispiel darf gerne vom Flohmarkt sein. Und da zum Skizzieren auch Einkleben gehört, stecken in diesem Etui nicht nur verschiedene Stifte, sondern auch Schere und Klebstoff. Dann kann es losgehen. Damit zum Beispiel: »Eine Freundin empfiehlt dir ein Restaurant, du magst einen Song im Radio, du willst dich an ein Buch erinnern: Mach deine Notiz ab und zu im Skizzenbuch statt im Phone. Eine Skizze dazu gibt Pluspunkte.«

Martina Friedli ist geübte Skizzenbüchlerin, aber ihr Konzept ist auch super für Anfänger: ein einziges Buch für alles. Sie schreibt: »Thematische Skizzenbücher sind eine schöne Idee. Ich habe das früher auch so gehalten. Ein Skizzenbuch für Tintenzeichnungen, eines für Notizen, eines für Reisen, eines rein als Tagebuch.

Das Resultat waren viele angefangene Skizzenbücher und kein einziges volles (mehr dazu im Vorwort). Das fühlte sich unbefriedigend und unfertig an. Darum kommt bei mir jetzt alles ins selbe Buch: Skizzen und Illustrationen für berufliche Aufträge, kleine Tagebucheinträge, lustige Zitate von Freunden und Familie, Kinotickets, To-do- und Listen aller Art; und auch meine Reisen.«

Seite 24: die besagten Buchstaben in 3-D. Auf den folgenden Seiten lernen wir, wie man mit verschiedenen »Special Effects« Buchstaben und Wörter aufpeppt. Das ist so einfach, dass es wirklich jeder kann.

Übe, was du willst

Kürzlich habe ich Zeit mit Schweizern verbracht und war entzückt über ihr Deutsch. Schweizer parken nicht, sie parkieren. Auch von Martina Friedli dürfen wir etwas Amüsantes lernen: das Schweizerdeutsche Wort für Hausaufgaben ist »Ufi«. Und die bekommen wir jetzt auf. 25 Stück. Sie sind freiwillig, und man darf auch nur die machen, die man am meisten mag. Wer schulpflichtige Kinder hat, sollte ihnen davon vielleicht nichts erzählen.

In 20 Minuten am Tag können wir zum Beispiel Buchstaben zeichnen oder unsere Umgebung. Letzteres kann auch eine gute Ausrede sein, irgendwo länger zu verweilen, als man eigentlich müsste. Das Skizzenbuch lässt sich als Tagebuch nutzen, zum Notieren von Beschwerden über Ärgernisse, wir können ihm ein Cover entwerfen und alles Mögliche einkleben. Wir können einem Gespräch oder einem Podcast lauschen und dabei zeichnen. Es kann gut sein, dass wir uns an das Gehörte erinnern, wenn wir später die Zeichnung ansehen. Wir können zeichnen, was wir sammeln, was wir gelesen haben und Ideen, von denen wir uns nicht trennen wollen. Im Skizzenbuch sind sie sicher bewahrt.

»Eine Reise ist ein perfekter Start für ein Skizzenbuch«, – wenn die Voraussetzungen stimmen. Man sollte allein reisen oder mit geduldiger Begleitung, damit man sich Zeit nehmen kann. Und: kein Druck, nur zeichnen, wenn es Spaß macht. Es folgen jede Menge Tipps für Motive und Gestaltung inkl. Sammeln und Einkleben Hier ist das Angebot auf Reisen viel reichhaltiger als sonst im Leben: »Getränke-Etiketten, Zugtickets, Stadtpläne, Briefmarken, Visitenkarten, Sticker, Banknoten, Kaffeerahmdeckel (wie schon erwähnt eine Sammelleidenschaft von Schweizer Kindern), Quittungen, Servietten, Eintrittskarten, Bonbon-Verpackungen, Coupons«.

Dein Skizzenbuch an @carrierbird

Auf den letzten Seiten gewährt die Autorin Einblick in ihr eigenes Skizzenbuch. Sie zeigt uns verschiedene Doppelseiten und bei einigen außerdem, wie sie entstanden sind.* Und sie möchte, dass ihr das Gleiche tut: Zeigt Martina euer Skizzenbuch »AUCH WENN’S NICHT PERFEKT IST!« Markiert sie dazu auf Instagram mit @carrierbird. Viel Spaß beim Austausch! * Auch so etwas, was man bei KI nie erfährt.

Dein Skizzenbuch-Buch
Illustration, Handlettering und Schabernack zum Mitnehmen
Format 12,5 x 20 cm
138 Seiten mit über 500 Abbildungen, Handletterings und Skizzenbuch-Fotos
verlag hermann schmidt
20,00 Euro

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