Vor der MV ist nach der MV …?

In gewisser Weise ging es am Vorabend der 45. AGD-Mitgliederversammlung exakt darum: die Zeit danach. Mit einem Mix aus gestalterischen Workshops und verbandsbezogenen Gesprächsrunden haben wir die diesjährige Mitgliederversammlung eingeläutet … und das war gut so.

 

Treffpunkt war wie schon bei der digitalen Weihnachtsfeier 2020 (die wir dieses Jahr wiederholen werden) unsere Wonder.me-AGD-Villa. Die zahlreichen Teilnehmer:innen hatten die Wahl zwischen unterschiedlichen Angeboten bzw. konnten an unterschiedlichen Runden teilnehmen.

Mehr als Hut und Boot und aneinandergereihte Buchstaben

Dankenswerterweise hatten sich Kristina Wißling und Thomas Hoyer wieder bereit erklärt, Workshops in Sachen Falten und Handschrift anzubieten. Sie boten und bieten einen guten Ausgleich zu den ansonsten eher verbandspolitischen Gesprächsrunden, bei denen es nicht ganz so entspannt zuging. In jedem Fall sind wir froh, dass unsere Kolleg:innen bei unseren Veranstaltungen die Möglichkeit haben, sich auf diese Inseln der Ruhe zurückzuziehen und dabei kreativ zu sein.

Mehr als Statements

Die Mitgliederversammlungen der vergangenen Jahre haben immer wieder gezeigt, dass sie nicht der einzige Rahmen für einen ausführlichen Austausch zu den aktuell bewegenden Themen sein können. Eine lange Tagesordnung, ein begrenztes Zeitbudget und großer Bedarf an Austausch und Diskussion passten nicht zusammen. Daher haben wir dieses Jahr – auch mit Blick auf die nicht unerheblichen Anträge an die Mitgliederversammlung – am Vorabend unterschiedliche Diskussionsrunden angeboten, die rege in Anspruch genommen wurden.

 

Nach 45 Jahren AGD haben wir uns gefragt: Braucht die AGD ein neues oder überarbeitetes Branding? Die Runde war allzeit konstruktiv, hielt sich zu keinem Zeitpunkt bei der Einzelkritik von Gestaltungselementen der AGD auf und kam schnell zu dem Schluss, dass ein partizipativer Prozess (wie bei Mozilla nur besser) für einen Designerverband das Maß der Dinge sein muss. Genauso einig war man sich, dass dies gut im Rahmen der AGD-Gestalten aufgehoben ist. In einem ersten Schritt werden wir nun in den Austausch mit Mozilla treten und dann alle Interessierten einladen, Teil des Prozesses zu werden, der der AGD ein zeitgemäßes Branding verschafft.

 

Wie die AGD diskriminierungsfrei kommunizieren kann, war in einer weiteren Runde das Thema. Hier brauchte es nicht so dringend eine Vereinbarung, wie weiter vorzugehen sei, weil das Thema auch noch einmal Gegenstand von zwei Anträgen an die Mitgliederversammlung war. Gleichwohl war die Runde gut geeignet, Standpunkte und Ansichten auszutauschen … und damit zu überraschen, wie weit doch Annahmen über richtige Verbandskommunikation auch im Jahr 2021 noch auseinander liegen können. Wer hätte es gedacht? Ist sie richtig, wenn sie Summe, Querschnitt, Kompromiss der individuellen Ansichten ihrer Mitglieder ist? Oder ist sie in der Zusammenführung individueller Ansichten etwas ganz Eigenes, eine corporate communication im besten Sinne des Wortes? Da dies nicht einfach zu beantworten ist, konnte die Runde nicht mehr als ein Auftakt sein. Aber dafür sind solche Runden ja da. Alles Weitere wurde von der Abstimmung über die Anträge zum Thema geregelt.

 

In einer weiteren Runde ging es natürlich um die Anträge, die von Mitgliedern an die Mitgliederversammlung am folgenden Tag gestellt wurden. Diese Runde war groß und ausdauernd. Das war gut und richtig so, da in diesem Rahmen viel mehr Zeit und Gelegenheit ist, Argumente auszutauschen, Fürs und Widers abzuwägen, Motivationen und Begründungen zu erfahren.

 

Alles in allem ein gelungener Abend mit einer großen Auswahl an Inspirationsmöglichkeiten, Gedanken- und Erfahrungsaustausch und Einsichten, die notwendig sind, damit unser Verband seine Arbeit gut machen kann.

 

Wir danken allen Beteiligten für die rege Teilnahme und setzen fest auf eine Fortsetzung des Formats – 2022, in Präsenz oder digital.

2 Gesprächsbeiträge

  1. Jens Luniak AGD |

    Ist es nicht üblich, einen Geschäftsbericht zu veröffentlichen? Eine 32-Personen-Clique beschließt eine Beitragserhöhung um ein Drittel und das wichtigste scheint der politischen Genderdiskurs zu sein. Wirklich?! Das befremdet mich sehr.

     

  2. Victoria Ringleb AGD |

    Am 18.08.2021 erging die Einladung zur Mitgliederversammlung fristgerecht an alle AGD-Mitglieder (http://ymjr.mjt.lu/nl2/ymjr/57nvs.html?hl=de). Sie enthielt den Geschäftsbericht, den Antrag auf die mittlerweile beschlossene Beitragserhöhung, vieles andere Wissenswerte mehr, die Möglichkeit, sich zur Mitgliederversammlung anzumelden, die Clique von 32 auf 33 zu erhöhen und das eigene Votum abzugeben. Der politische Genderdiskurs war sicherlich aus verbandspolitischer Sicht nicht das Wichtigste, erhitzte aber sehr wohl die Gemüter, das lässt sich nicht anders sagen, aus welchen Gründen auch immer.

Beitrag schreiben

Nachoben