Cloud(s) across the Moon – die aktuelle Adobe-Zwickmühle

Der Wechsel des Geschäftsmodells im Hause Adobe, das die Programme der Creative Suite nicht mehr als Kauflizenzen anbietet, sondern als dauerhaftes Abonnement mit lokaler Installation aber regelmäßiger Online-Überprüfung, hat gerade bei den freiberuflichen Designerinnen und Designern für Aufregung und Proteste gesorgt.

Zwei Aspekte betreffen die Adobe-Kunden in dieser Berufsgruppe – und deren Auftraggeber – in besonderem Maß:

Der alternativlose Abozwang erhöht laufende Kosten.

Die Softwareinvestition wird zu einer Art monatlich anfallender Leasing-Rate umgestellt. Anders als bei Autos, Computer-Hardware oder anderen Leasing-Angeboten entfällt die Wahlfreiheit zwischen Kauf oder Leasing. Die laufenden Kosten halten die meisten Freiberufler gerne niedrig, da die Projekte, die sie betreuen, mit unregelmäßigen Geldeingängen einhergehen. Ein Teil von ihnen müsste auf monatliche Abschlagszahlungen mit erhöhtem Buchhaltungsaufwand umstellen, der sich in einem steigenden Stundensatz niederschlägt. Beides Aspekte, die am Ende zu Lasten der Auftraggeber gehen – ohne Mehrwert zu bringen.

Das alternativlose Komplett-Abonnement führt zu totem Kapital.

Bislang sind nur Abonnements der gesamten Programmpalette möglich. Wo früher Creative-Suiten verschiedene Kombinationspakete schnürten, z.B. für Print-Designer andere, als für digitale Gestalterinnen und –Gestalter, gibt es nun alles für alle. Es entsteht zwangsläufig totes Kapital, denn die Investition in nicht genutzte Programme kann keine Rendite abwerfen. Auch dies sind Kosten, die den Kunden von Designern in Rechnung gestellt werden und für die sie keine größeren oder besseren Leistungen zurückbekommen werden.

Designer loten Alternativen aus.

Da es bei Adobe keine Wahlmöglichkeit zwischen Kauf oder Leasing/Abo mehr gibt, erwägt ein Teil der Designerinnen und Designer, auf andere Programme umzusteigen. Denn sie wollen unter dem Strich nicht trotz gestiegener Investitionen mit weniger Sicherheit für sich und ihre Kunden arbeiten. Sollte nämlich einmal wegen eines Projektausfalls, Kundenabwanderung oder längerer Krankheit der Dauerposten Cloud-Abonnement nicht zu leisten sein, sieht das derzeitige System keine Möglichkeit der Bearbeitung von Adobe-Dokumenten ohne Abo vor, auch nicht nach jahrelanger Zahlungsleistung. Und gerade in der Freiberuflichkeit sind solche Liquiditäts-Löcher Bestandteil der Arbeitsrealität. Denn der Preisdruck in manchen Design-Fachbereichen, Branchen oder Regionen ist so hoch, dass (auf Grundlage der AGD-Studie 2012 geschätzt) ein Drittel der freiberuflichen Designerinnen mit wenig Rücklage hart an der Grenze der Wirtschaftlichkeit lebt und arbeitet.

Marktchancen für Alternativmodelle entstehen.

Die Abo-Entscheidung beim „Platzhirschen“ Adobe eröffnet anderen Softwarehäusern freigewordene Verkaufschancen für ihre Kauflizenzen. Oder sie erzeugt einen Sog und andere stellen ebenfalls auf Abomodelle um, weil es für den Softwareanbieter dauerhafte, regelmäßige und auch höhere Einnahmen pro Lizenznehmer/Arbeitsplatz verspricht. Die Situation ist eine, in der die Kunden aus der Kreativwirtschaft nur eine geringe Beeinflussungsmöglichkeit auf die Kollegen/Anbieter im Bereich IT & Software haben. Am Ende zahlt die Zeche für das Wachstum bei Adobe & Co. der Verbraucher, denn auch die Auftraggeber und Kunden von Designern und Werbagenturen werden höhere Preise dort in die Preise ihrer Produkte oder Dienstleistungen einrechnen.

Was also tun, wie oder wann entscheiden?

Wir können an dieser Stelle keine generelle Empfehlung zum Umgang mit dem neuen Geschäftsmodell von Adobe abgeben. Das eigene Geschäftsmodell verändern, Preiserhöhungen in Kauf nehmen (wie bei einer saftigen Mieterhöhung) oder lieber Zeit in den Umstieg auf ein anderes Programm (oder mehrere für die verschiedenen Einsatzzwecke) investieren? Das hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren des Geschäftsbetriebs und auch persönlichen Präferenzen ab. Die meisten Adobe-Kunden sind derzeit in der einigermaßen komfortablen Situation, zunächst die Entwicklungen des Marktes beobachten zu können und keine kurzfristigen Entscheidungen treffen zu müssen. Adobe zeigt sich mittlerweile gesprächsbereiter und hat auch Teil-Abonnements vergleichbar zu den bisherigen CS-Paketen in Aussicht gestellt. Wir bereiten zusammen mit unseren Partnerverbänden in der iDD ein Treffen vor.

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