Von „reverse graffiti” bis „network power”

Foto der Vorträge

Sich zurücknehmen und die Natur sich entfalten lassen. Oder sich einbringen, weil die Natur gebrandmarkt wurde.
Zwei Vorträge hörten wir, die an eine naturbewusste Zeitenwende appellieren. Zwei Vorträge, die unterschiedlicher nicht hätten besser zusammenpassen können.

Naemi Reymann (AGD) – communication..interfaces..culture
– lebt und arbeitet als Designerin in Düsseldorf.
Die Netzwerkerin zeigte in einem spannenden Vortrag „Reverse graffiti – Naturzeichen im Raum”, dass sich eine aktive Künstler- und Designer-Szene entwickelt hat mit dem Ziel, urbane Freiräume zu erschließen.
Eindrucksvoll die Arbeitsmittel, mit denen gestaltet wird, beispielsweise mit dem Hochdruckreiniger, wie bei dem vielleicht größten reverse graffiti „Wild-Wechsel” an der Staumauer der Oleftalsperre des Künstlers Klaus Dauven.
Auch andere Naturmaterialien wie Sand, Moos oder Pflanzen lassen sich in Form bringen. Aus Heckenelementen werden Riesen-Typografien im Raum oder Dinosaurier, die als Guerrilla-Marketing bestens funktionieren.
Ob Oliver Schuhs Projekt „Corporate Flowers”, das Bambusgebäude t.a.i.b. in Bochum oder eine „Mittelamerikanische Verkehrsinsel” am Stresemannplatz in Düsseldorf – der ubane Raum bietet viel Platz für aufblühende Kreativität.
Inwieweit das Gestalten mit der Natur über sie hinauswachsen kann, zeigte die schöne Arbeit von Naemi Reymann anlässlich des Naturfestivals in Bochum, ein aus Pflanzen arrangierter QR-Code zum Abfotografieren für das Smartphone.

„Deine Farben können das Land der aufgehenden Sonne wieder erhellen”, lautete der ursprüngliche Aufruf für eine Plakataktion bei Facebook von Mansoureh Rahnama im April 2011 als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe in Fukushima.
Innerhalb von 24 Stunden kamen die ersten Kreationen und es folgten knapp 600 Einsendungen internationaler Designer. Der Zuspruch und die Qualität der Arbeiten waren überwältigend.
So begann das „Project Sunshine for Japan“, für das die gebürtige Iranerin mit vollem Einsatz ihre Freizeit opferte. Neben dem gestalterischen Werk stand dabei der Netzwerkgedanke und die Föderung des interkulturellen Austauschs im Vordergrund.
Aus den Einsendungen wählte eine Jury namhafter Designer die 100 überzeugendsten Plakate aus, die feierlich in einer Ausstellung an der Fachhochschule Düsseldorf präsentiert wurden.
Mit Sponsorengeldern konnte 2011 die Ausstellung der Plakate auf der Messe „Tradefair” in Tokio, in Düsseldorf und in Köln zugunsten der Hinterbliebenen realisiert werden.

Weitere Ausstellungen sind weltweit in Planung: Aktuell werden die Plakate in Osaka gezeigt und im März 2013 sollen sie erstmals in Dortmund zu sehen sein. Zudem entsteht z. Z. mit internationalen Autoren eine Buchveröffentlichung zum Projekt, als dritte Projektphase, denn es geht der Kulturmanagerin darum, das kulturelle Gedächnis nachhaltig zu prägen. Für ihr unermüdliches Engangement, da waren sich alle Besucher des langen Donnerstags einig, gebührt Mansoureh Rahnama höchster Respekt.

Fotos: Annette Liese, Ralf Ziegeweid

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