Alles meins! Zur Herausgabe von Dateien an Kunden.

Handbuch Kommunikation Alles meins

Handbuch Kommunikation Alles meins

 

Die meisten Designerinnen und Designer werden eines Tages damit konfrontiert, dass eine Kundin die Layout- und Bilddateien eines Auftrags von ihnen haben möchte. Auch beim AGD-Telefonservice ist es ein Dauerthema, das mehrmals wöchentlich eine Rolle spielt.

Im Zivilrecht gilt der Grundsatz, dass das vertraglich Vereinbarte den gesetzlich abdingbaren Bestimmungen vorgeht: auch wenn Sie mit Ihrem Kunden in Bezug auf die Datenherausgabe nichts vereinbaren, hilft es Ihnen, die Allgemeinen Vertragsgrundlagen (AVG) beizufügen. Dort wird in § 2 festgehalten, dass die Herausgabe offener Dateien kein Vertragsbestandteil ist. In den AVGs sind darüber hinaus viele Dinge geregelt, die Klassiker unserer Beratungsarbeit sind. Sind die AVGs dem Angebot sichtbar beigefügt, werden viele Problemfälle schon im Vorfeld ausgeräumt. AGD-Mitglieder können sie sich im Downloadbereich unserer Internetseite kostenfrei herunterladen.

Aber auch ohne die Allgemeinen Vertragsgrundlagen sind Sie auf der sicheren Seite, da die Verträge mit Designern in der Regel Werkverträge sind. Demzufolge schulden Sie Ihrem Auftraggeber ein fertiges Werk, normalerweise ist das der realisierte Entwurf in Form einer druckfertigen PDF-Datei. Die Arbeitsmittel, die Sie für das Erstellen dieser Werkleistung benötigen, z.B. InDesign- Satzdateien oder Photoshop-Composings, bleiben mangels anderweitiger Vereinbarung Ihr Eigentum, über das nur Sie verfügen.

Wir erleben in unseren Beratungsgesprächen, dass manche Designer anlässlich des Kundenwunsches nach den Dateien die Nutzungsrechte ins Spiel bringen. In Abwesenheit einer vertraglichen Regelung gilt hinsichtlich der Nutzungsrechte die Zweckübertragungstheorie; sie wird aus § 31 Abs. 5 des Urhebergesetzes abgeleitet. Diese Regelung besagt: Für den Fall, dass die Nutzungsarten nicht ausdrücklich einzeln bezeichnet sind, bestimmt es sich nach dem von beiden Partnern zugrunde gelegten Vertragszweck, welche Nutzungsarten dem Kunden eingeräumt werden. Der Kunde kann also davon ausgehen, dass Sie ihm die Nutzung Ihres Entwurfs zum Zwecke des Vertrages eingeräumt haben. Der Umfang der Rechte ist hier stets eine Frage des Einzelfalles und der Vertragsauslegung. Ihre Dateien erhält er deshalb aber trotzdem nicht (s.o.). Designer haben oft die Vermutung, dass ein Kunde sich die Dateien wünscht, um woanders preiswerter arbeiten zu lassen oder sich von ihnen zu trennen. Dem ist oft nicht so oder es geht nur um ein einzelnes Produkt. Über die Kundenmotivation sollten Sie Bescheid wissen, denn davon sollte Ihr weiteres Handeln abhängen – fragen Sie ihn also besser.

Möchte sich der Kunde in der Tat trennen, sollten Sie erwägen, ob es für Sie besser ist „zu mauern“ oder über den Datenverkauf noch Einnahmen zu generieren. Der langjährige AGD-Trainer Jürgen Kölle hatte dafür das schöne Motto „Nicht meckern – melken!“. Ein genereller Vorschlag zur Vergütungshöhe lässt sich nicht geben, denn die hängt auch davon ab, in welcher Preiskategorie Sie sich mit dem Kunden bewegen oder ob Sie in der Vergangenheit Nutzungsrechte berechnet haben. Außerdem muss der Preis für beide Seiten attraktiv sein – wenn Sie „zu hoch pokern“, verzichtet der Kunde und damit ist Ihnen auch nicht geholfen. Hier kann es sinnvoll sein, den Kostenaufwand zu überschlagen, den ein Dritter für den Nachbau Ihrer Entwürfe hätte und diese Höhe als Kalkulationsgrundlage zu nehmen. Zuzüglich angemessener Nutzungsrechte natürlich, wenn Sie bisher welche in Rechnung gestellt haben. Haben Sie das bisher versäumt und versuchen es nun, wird Ihr Kunde vermutlich ablehnen, weil er Ihre Forderung als „Strafporto“ empfinden wird.

Falls Sie Ihrem Kunden die Daten verkaufen möchten, sollten Sie ihn in jedem Fall darauf hinweisen, dass Sie ihm keine Schriften mitgeben dürfen, und dass er sie gegebenenfalls selbst erwerben muss. Ähnliches könnte bei Bildern gelten, und Ihr Kunde muss auch hier unter Umständen erneute Lizenzen erwerben.

Meist ist es so, dass der Kunde weiterhin mit Ihnen arbeiten möchte und die Dateien nur der Form halber oder aus einem Sammlertrieb heraus wünscht. Das ist zum Beispiel bei einem Mitarbeiterwechsel auf der Kundenseite üblich. Oder er hat die Idee, kontinuierliche Veränderungen selbst vorzunehmen. Kennt er Ihren Preis für die Daten, für den Erwerb der Schriften und Bilder, ist es durchaus möglich, dass er dankend verzichtet, weil die erhoffte Einsparung an Mitteln, Aufwand oder Zeit nicht mehr gegeben ist.

(Andreas Maxbauer)

Die rechtlichen Aspekte des Themas beleuchtet:

Die Herausgabe digitalen Datenmaterials an den Auftraggeber

 

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