FAQ – Häufige Fragen

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1. Wie mache ich mich selbständig?

Als Designer sind Sie meist freiberuflich selbstständig. Dann reicht es, dem Finanzamt eine formlose Mitteilung über die Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit als freiberufliche/r Designer/in zu schicken. Gegebenenfalls beantragen Sie eine Umsatzsteuer-ID. Bei der Künstlersozialkasse (KSK) stellen Sie anschließend den Antrag zur Prüfung Ihrer Versicherungspflicht und melden sich bei einer Berufsgenossenschaft zwecks betrieblicher Unfallversicherung an: dieBG ETEM ist eine Pflichtversicherung für selbstständige Grafik- und Fotodesigner, alle anderen können sich in der VBG freiwillig versichern lassen. Die wichtigsten Informationen finden Sie in unseren Praxistipps für Designer.

2. (Wann) Muss ich ein Gewerbe anmelden?

Die meisten Designertätigkeiten fallen unter die Freiberuflichkeit, das heißt: keine Gewerbeanmeldung, keine IHK-Pflichtmitgliedschaft, keine Gewerbesteuerveranlagung. Manchmal liegt es allerdings nahe, gewerbliche Tätigkeiten zu erbringen. Darunter fallen:
  • Einkauf von Fremdleistungen oder Produkten und Verkauf auf eigene Rechnung (übrigens unabhängig davon, ob und wie viel Gewinn dabei erzielt wird).
  • Umfangreiche Programmierarbeiten an sogenannter Trivialsoftware, zum Beispiel ist ein Template für ein Content-Management-System (CMS) mit hoher Wahrscheinlichkeit Trivialsoftware, das CMS selbst zu programmieren hingegen nicht.
  • bestimmte Nebeneinkünfte: Vermietung kann darunter fallen, Einnahmen als Investor/in z.B. in ein Solarprojekt fallen auf jeden Fall darunter.
Je nach Anteil der gewerblichen Umsätze am Gesamtumsatz greift die sogenannte „Abfärbetheorie“ und auch die weiteren Einkünfte werden wie gewerbliche Einkünfte behandelt. Inklusive Anrechnung an den Gewerbesteuer-Hebesatz – ab 24.500 Euro Ertrag wird dann diese Zusatzsteuer fällig.

3. Wie kalkuliere ich mein Projekt?

Kalkulieren Sie fair für beide Seiten und packen Sie die Kalkulation dann in ein gut verständliches Angebot. Es gibt drei unterschiedliche Kalkulationsmodelle, die häufig genutzt werden:
  1. Der dreiteilige Preis nach dem Modell des Vergütungstarifvertrags Design (VTV) – er besteht aus den Kosten für den Entwurf und die kreative Arbeit, dem Preis für die Nutzungsrechte an dem dabei entstandenen Werk und den abgerechneten Zusatzleistungen von Beratung über Korrekturen und Produktionsvorbereitungen bis hin zur Realisierung, beispielsweise bei Webseiten die HTML/CSS/PHP-Umsetzung oder bei einem gedruckten Katalog die Reinzeichnung und Drucküberwachung. Das Paket aus Entwurfsarbeiten und Nutzungsrechten wird pauschal kalkuliert, die zusätzlichen Leistungen über die konkret geleistete Arbeitszeit abgerechnet.
  2. Die Abrechnung nach festen Stunden- oder Tagessätzen, die sich aus den anvisierten Einnahmen und der Anzahl der durchschnittlich abrechenbaren Stunden pro Monat oder Jahr ergeben. Manche unterscheiden noch zwischen Kreativstunden (inkl. Vergütung für die Nutzungsrechte) und „Fleißarbeiten“, die in klassischen Agenturen eher von technischen Mitarbeitern als von kreativen Kollegen übernommen werden.
  3. Die Mischkalkulation aus Eigenleistungen und Provisionen oder Gewinnen aus dem Weiterverkauf von Fremdleistungen. Wie bei Frage 2 nachzulesen führt dieses klassische Agentur-Modell höchstwahrscheinlich zu einer gewerblichen Tätigkeit. Die Eigenleistung wird vergleichsweise günstig angeboten, solange die Anzeigenschaltung über den Designer oder die selbständige Art Direktorin läuft. Verlage oder Druckereien geben eine Provision für die Vermittlung des Auftrags. Je nach Größe kann das eine spürbare Einnahmequelle sein. Wegen der Auswirkungen im Steuerrecht, der Notwendigkeit oft viel Geld vorzustrecken ehe der Kunde bezahlt hat oder auch dem Wegfall der Künstlersozialversicherungs-Möglichkeit ist dieses Modell nur dann tragfähig und von Vorteil, wenn besonders hohe Auflagen oder große Anzeigenbudgets.
Eine gute Hilfe beim Kalkulieren ist unser Vergütungstarifvertrag für Designer (VTV).

4. Wie muss ich mich versichern?

Alle selbstständigen Designer, Künstler und Publizisten sind seit 1982 nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) in der Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung pflichtversichert. Das bedeutet, dass alle freiberuflichen Designer wie Arbeitnehmer behandelt werden und nur die Hälfte der Beiträge aufzubringen haben. Informationen bekommen Sie von der Künstlersozialkasse (KSK) in Wilhelmshaven, Telefon: +49. 4421. 754 39 – oder in der aktuellen KSK-Broschüre des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Weiteres zur Künstlersozialkasse finden Sie auch hier auf unserer Website.Vor Kosten, die sich durch Unfall am Arbeitsplatz und bei Wegeunfällen, solange diese im direkten Zusammenhang mit der Ausübung der beruflichen Tätigkeit stehen (z.B. auf dem Weg zum Kunden, einer Präsentation, zur Post usw.) ergeben, schützt die Berufsgenossenschaft (BG) als gesetzliche Unfallversicherung. Designer aus den Fachbereichen Grafik und Foto sind versicherungspflichtig bei der BG ETEM, Telefon: +49. 611. 131 18 02. Alle anderen Designerinnen und Designer können und sollten sich freiwillig bei der VBG versichern. Näheres zur Berufsgenossenschaft finden Sie auch hier auf unserer Website.Achten Sie auf jeden Fall darauf, dass Sie nicht als „Scheinselbstständiger“ zwischen allen Stühlen sitzen!

5. Was verdient ein Designer im Schnitt?

Sie können alles verdienen. Nach oben gibt es keine Grenzen. Ihre Einkünfte sollten allerdings nicht schlechter sein als die eines angestellten Designers, dessen Verdienst zwischen 2.500,– und 4.000,– Euro monatlich liegt. Bei einem Mittelwert von 3.250,– Euro und 13,5 Gehältern sind das 43.875,– Euro im Jahr.Um auf das gleiche Jahresgehalt eines Angestellten zu kommen, müssen Sie Ihre Betriebsausgaben zusätzlich verdienen. Nach Auskunft von ver.di ist dies die Hälfte des Umsatzes, d. h. 67.300,– Euro. Diesen Umsatz müssen Sie, abzüglich Urlaub und Krankheit, in 210 Tagen erzielen, was einen Tagesumsatz von rund 320,– Euro ergibt.Die AGD empfiehlt, einen Stundensatz von ca. 90,– Euro anzusetzen. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

6. Wie kalkuliere ich einen Auftrag?

Ausgehend von Ihrem Stundensatz kalkulieren Sie den voraussichtlichen Zeitaufwand. Diese Summe ergibt die Vergütung für die Entwurfsarbeiten. Wird der Entwurf genutzt, kommt ein weiteres Entgelt für die Einräumung der Nutzungsrechte (einfaches oder ausschließliches Nutzungsrecht nach § 31 Urheberrechtsgesetz) hinzu.Den durchschnittlichen Zeitaufwand in Stunden für alle Designleistungen (Werkvertrag) sowie das Entgelt für die erforderliche Nutzungsrechtseinräumung (Lizenzvertrag) finden Sie im AGD-Tarifvertrag für Designleistungen, den Sie in unserem Shop erwerben können.

7. Wann ist ein Auftrag ein Auftrag?

Wichtig ist, dass Ihnen Ihr Auftraggeber einen Auftrag erteilt und diesen Vorgang auch so nennt! „Sich nur mal ein paar Gedanken machen“ ist noch kein Auftrag. Sie brauchen also die mündliche oder schriftliche Zusage (das ist ein Angebot Ihres Auftraggebers), eine ganz bestimmte Leistung für eine ganz bestimmte Summe auszuführen. Haben Sie das Angebot Ihres Auftraggebers angenommen, dann ist zweifelsfrei ein Auftrag zustande gekommen.Gut ist es, wenn Sie den Auftrag schriftlich bestätigen und in diesem „Miniprotokoll“ noch einmal die besprochene Leistung, die vereinbarte Vergütung (Entwurf und Nutzung) sowie den Präsentationstermin festhalten. Das Bestätigungsschreiben kann per Fax und parallel als Brief zugestellt werden und genügt als Beweis für die Erteilung und Annahme eines Auftrages.Näheres zur Auftragsvergabe finden Sie hier auf unserer Website.

8. Muss ein Entwurf bezahlt werden, wenn nicht gefällt?

Im Entwurf steckt Ihr geballtes kreatives Potenzial. Nach dem Briefing des Kunden ausgeführt, ist er eine Entscheidungshilfe, ob der Entwurf so umgesetzt werden soll, wie Sie sich das gemeinsam gedacht haben. Daher ist es selbstverständlich, dass der Entwurf bezahlt werden muss, auch wenn er dem Auftraggeber einmal nicht gefällt.Ist der Kunde nicht sicher, ob ihm die bestellten Entwürfe gefallen werden, so bieten Sie ihm Zwischenergebnisse an. Zusätzliche Entwürfe und die damit verbundenen zusätzlichen Vergütungen vereinbaren Sie vor Arbeitsbeginn mit Ihrem Kunden.

9. Welche Nutzungsrechte wofür?

Ein Designauftrag gliedert sich in zwei Bereiche: der Anfertigung von Entwürfen (Werkvertrag § 631 BGB) und der Einräumung von Nutzungsrechten (Lizenzvertrag § 31 UrhG).Die Nutzungsrechte können Sie „einfach“ oder „ausschließlich“ übertragen. „Einfach“ bedeutet u.a. für eine einmalige Aktion und dass der Entwerfer auch weiteren Personen Nutzungsrechte einräumen kann. „Ausschließlich“ bedeutet exklusiv, also wenn der Auftraggeber den Entwurf allein nutzen will. Beide Nutzungsarten können zusätzlich eingeschränkt werden auf:
  • Nutzungsgebiet
  • Nutzungsdauer
  • Nutzungsintensität (anhand der Reichweite oder Quantität, wie Auflagenhöhe o.ä.)
Damit wird erreicht, dass der Auftraggeber nur für das „Nutzungspaket“ zahlt, das er bestellt. Informationen und Berechnungsbeispiele finden Sie im AGD-Vergütungstagrifvertrag Design.

10. Muss ich dem Kunden digitale Daten überlassen?

Sie müssen es nicht, es sei denn, Zweck des Auftrages war die Erstellung digitaler Daten. Andererseits kann man sich im Zeitalter der Elektronik diesem Wunsch kaum verschließen. Sie können also die Datei zusätzlich verkaufen. Und da Sie keine Kontrolle mehr über die Nutzung haben – bekommt Ihr Kunde auf seinen Wunsch hin das ausschließliche, also das teuerste Nutzungsrecht eingeräumt.Kann Ihr Auftraggeber selbst Veränderungen an den Dateien vornehmen, so können Sie sich das Recht auf Bearbeitung oder Umgestaltung (§ 23 UrhG) bezahlen lassen. Auf keinen Fall dürfen Sie Ihrem Kunden die erforderlichen Schriften mitliefern. Die muss er selbst erwerben (eine Liste mit Lieferadresse und Bestellnummern der Schriftschnitte Ihrer Entwerferkollegen genügt).

Und wer hilft ab Frage 11?

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