Auflage 2015

Nach dem VTV ist vor dem VTV

Vor mir ausgebreitet liegen 4 VTVs: die 5. Auflage von 1998, die 6. von 2002, die 7. von 2006 und die 8. von 2011. Auf die 9. Auflage von 2015 warte ich voller Neugier, auch wenn ich den gesamten Inhalt schon kenne. Es ist doch etwas anderes, PDFs auszudrucken und zu korrigieren als ein gedrucktes Werk, an dem ich in den vergangenen 2 Jahren mitgearbeitet habe, in den Händen zu halten.

Seit der 7. Auflage war ich bei der Entstehung des VTV involviert. 2006 bestand allerdings mein Anteil lediglich darin, einige Angebote und Rechnungen einzureichen, die dann ausgewertet wurden und sich anhand von Beispielen im Tabellenteil wieder fanden.

Bei der 8. Auflage war ich Teil der 9-köpfigen Tarifkommission, die extra dafür ins Leben gerufen wurde. Die Mannschaft bestand aus AGD-Mitgliedern, von denen jedes für sein Spezialgebiet zuständig war. Zum ersten Mal wurde der Bereich »Konzeption und Beratung« hinzugefügt und durch immer mehr Beispiele und die Zweisprachigkeit nahm der VTV von Jahr zu Jahr an Umfang zu. Die Auflage von 2011 war zu einem ordentlichen Wälzer herangewachsen und das Feedback zeigte uns, dass die gewohnte Handlichkeit vermisst wurde.

2013 wurde erneut das erste Team für den VTV zusammengestellt und bestand aus Mitgliedern der AGD (Marco W. Linke und Johannes Steil), Vorstandsmitgliedern der AGD (Jan-Peter Wahlmann und Peggy Stein), Mitarbeitern der AGD-Geschäftsstelle (Victoria Ringleb und Roswitha Wendhof), einem Anwalt von KVLEGAL (Fabian Haslob) und einem externen Berater (Joachim Kobuss).

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Dieses Enthusiasten-Team hat sich Anfang 2014 dreimal zum intensiven Austausch getroffen und die Bälle zugespielt. Dabei ging es nicht vorrangig darum, welche neuen Leistungsbeispiele aufgenommen werden, sondern es wurde der VTV als solches beleuchtet. Welche Relevanz hat ein Tarifvertrag im Jahr 2015 und in der Zukunft? Gibt es Alternativen und welche Vor- und Nachteile haben diese?

Decken die Nutzungsfaktoren den Arbeitsalltag aller Designdisziplinen ab? Welche Disziplinen werden zukünftig vermehrt von Designern erwartet? Diese und viele andere Fragen haben uns zuerst beschäftig.

So wurde der Bereich »Designprozess« als elementarer Bestandteil einer modernen Designleistung hinzugefügt und ist mit vielen Leistungsbeispielen deutlich detaillierter und umfangreicher als der Bereich »Beratung und Konzeption« im Vorgänger VTV.

Natürlich wurde auch über den Stundensatz heiß diskutiert. Es gibt in der Mitgliedschaft weit auseinandergehende Angaben. Regionalen Unterschieden und der Differenzierung durch Erfahrung und Kompetenz der Designer kann letztendlich ein pauschaler Stundensatz nicht gerecht werden. Was allerdings einen verbindlichen Maßstab liefert, die Rahmenbedingungen für einen üblichen und redlichen Stundensatz zu definieren, ist die Erwirtschaftung von Gewinnen um die Selbständigkeit zuverlässig und zukunftssicher zu tragen …

Dazu gehören Kriterien wie: Rücklagen, Investitionen in Hard- und Software, Miete sowie Bürounterhalt und -bedarf, Werbekosten, Buchhaltung, Akquise, Kranken- und Sozialversicherung, BU und Altersvorsorge, berufliche Versicherungen wie Haftpflicht, Rechtsschutz, Technikversicherung, Mitgliedschaften, Weiterbildung, Urlaub und Ausfall durch Krankheit

… und natürlich darüber hinaus, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern.

Auch das Thema Nutzungsrechte und Nutzungsfaktoren hat uns bei jedem Treffen beschäftigt. Für mich als Fotografin ist das Thema noch recht überschaubar, wenn man jedoch einmal über den eigenen Tellerrand hinausschaut, stellt man schnell fest, dass es eine Vielfalt von Möglichkeiten gibt, das Design zur Nutzung zu überlassen. Auf diese Möglichkeiten gehen wir nun zum ersten Mal im neuen VTV ein. Das hatte jedoch auch Konsequenzen, denn diese Vielfalt war nicht mehr einfach in den Tabellen darstellbar oder hätte den Rahmen gesprengt. Dabei wollten wir doch zurück zu einem schlankeren, handlichen VTV. Die Nutzungsfaktoren oder alternative Berechnungen zur Wertüberlassung sind deshalb nicht obsolet, jedoch sollte jeder die für ihn passende Variante selbst wählen und berechnen können. Detaillierte Informationen und Beispiele sind ab Seite 27 f.f. zu finden.

Im zweiten Schritt wurden von Victoria Ringleb Interviews mit erfolgreichen Designern geführt, die Einblicke in ihre Arbeit und ihre Kalkulation lieferten, denn um ein echtes Verständnis dafür zu bekommen, welche die relevanten Leistungen jedes Designbereiches sind, braucht es den Vor-Ort-Kontakt, das direkte Gespräch statt der bloßen Zusendung von Angeboten/Rechnungen.

Im dritten Schritt ging es dann an die Details. Die Leistungsbeispiele wurden unter die Lupe genommen und aktualisiert. Die Ausgangssituation stellte sich wie folgt dar: Die im VTV ausgewiesenen Beispiele waren ein recht bunter Mix von unterschiedlicher Detailtiefe und Brauchbarkeit, die dringend auf einen Standard gebracht und sinnvoll strukturiert werden mussten.

Schritt 4 war der juristische Teil. Bei jedem VTV wird das Vertragswerk – der Vertrag zwischen AGD und SDSt – von den Juristen gemäß der aktuellen Gesetzeslage geprüft und gegebenenfalls aktualisiert, sodass er durch die Vertreter beider Verbände unterzeichnet werden kann.

Ebenso sind alle Texte des VTV überarbeitet. Dafür garantiere ich, denn ich habe sie alle gelesen, natürlich inklusive das zuvor erwähnte Vertragswerk. Eine kleine Bemerkung am Rande: Die Lesezeit für den gesamten VTV 2015 entspricht 4 Fußballspielen mit Halbzeitpause.

Der fünfte Schritt war der Endspurt mit einem sehr konstruktiven Schlagabtausch zwischen dem AGD Designer Markus Büsges, Victoria Ringleb und mir. Innerhalb von nur wenigen Tagen wurden Mitte Oktober mit Hochdruck die Korrekturen und der Feinschliff umgesetzt, um ein druckreifes Werk abzuliefern.

Während ich diese Zeilen schreibe, sollte die Druckfarbe längst getrocknet sein und der VTV in einem Verteilerzentrum der Post unterwegs zu mir und allen anderen AGD-Mitgliedern sowie den Subskribenten. Es fühlt sich ein bisschen an wie Weihnachten, bei dem man es kaum erwarten kann, die Geschenke auszupacken.

Und da nach dem VTV vor dem VTV ist, soll der Pokal für die 10. Auflage schon bald an die nächste Mannschaft weiter gegeben werden. Vielleicht gibt es ja dann den neuen VTV schon 2018 – zur nächsten WM.

Ich habe fertig!

Nein, noch nicht ganz. An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an die gesamte Mannschaft in alphabetischer Reihenfolge:

Boris Buchholz AGD
Markus Büsges AGD
Bernd Glier AGD
Lenny Grade AGD
Fabian Haslob KVLEGAL
Regina Jäger AGD
Sebastian Klammer AGD
Joachim Kobuss
Christhard Landgraf AGD
Helga Lieser AGD
Marco W. Linke AGD
Annika Lyndgrun AGD
Andreas Maxbauer AGD
Christina Metzler AGD
Bert Odenthal AGD
Victoria Ringleb AGD
Christina Sahr AGD
Jan-Hendrik Schmidt AGD
Andrea Scholz AGD
Babro Scholz AGD
Mik Schulz AGD
Johannes Steil AGD
Jürgen Sterzenbach AGD
Esther Stühmer AGD
Jan-Peter Wahlmann AGD
Roswitha Wendhof AGD

Peggy Stein, Zweite Vorstandsvorsitzende der AGD

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