Vom Traumwagen fehlt jede Spur

Peggy Stein ist eine Pionierin der 360­Grad­HDR Fotografie. Sie hat den neuen Maserati Gran Turismo in Kooperation mit dem Münchener 3D­-Spezialisten RTT ins Bild gesetzt.

Die weite, hügelige Landschaft wird in das Licht der untergehenden Sonne getaucht. An einer der schönsten Küsten Sardiniens baut die Fotografin Peggy Stein ihr 50.000 Euro teures HDR-Panoramasystem auf.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht der neue Maserati Gran Turismo. Doch von dem Traumwagen, der schließlich dynamisch im Bild stehen wird, fehlt hier jede Spur. Denn das Motiv wird später aus drei Teilen am Computer generiert: Peggy Stein fotografiert ein 360-Grad-Panorama der Landschaft und nimmt die komplette Umgebung als Sphäre mit all ihren Reflektionen, Licht und Schatten auf. Ihre Spezial-Kamera steht dort, wo später im Bild der Maserati zu sehen sein wird. Zusätzlich fotografiert sie die Perspektive des Betrachters. Das Fahrzeug selbst wird erst von RTT in München hineingerechnet.

Computer Generated Imaging (CGI) heißt das Verfahren, das auch für Spezial-Effekte in der Filmindustrie eingesetzt wird. Hier kommt mit der High Dynamic Range-Fotografie (HDR) eine weitere Technik zum Einsatz, die für Farbumfang und Belichtungsdynamik sorgt.

Versierte Fachleute

Für Maserati arbeiteten die Werbeagentur Leo Burnett, RTT (ein führender Spezialist für 3D-Visualisierung), sowie vor Ort die Foto-Designerin Peggy Stein mit ihrem Assistenten und einem dreiköpfigen Produktionsteam zusammen.

Gemeinsam konzipierten sie die Broschüre. Zehn Motive erzählen eine Geschichte: den Weg von der Stadt durch die Landschaft bis zur Ankunft zu Hause. Der Betrachter soll das Auto aus unterschiedlichen Perspektiven, in möglichst vielen Lichtverhältnissen und Umgebungen sehen und sich fühlen, als ob es sein Wagen wäre.

Bilder, mit denen andere rechnen

Die Auswahl einer möglichst exklusiven Location mit idealen Lichtverhältnissen und die Durchführung der Aufnahmen ohne Fahrzeug macht einen Großteil der Arbeit von Peggy Stein aus. Dabei kommt ihr das CGI-Verfahren zugute. Mit ihrer Kamera kommt sie auch an Orte, wo ein Auto nie hinfahren könnte: durch schmale Türen in noble Opernfoyers, auf das Dach eines Wolkenkratzers oder auf ein Bergplateau. Im Fall des Maserati wäre der Küstenstreifen viel zu schmal, um das Fahrzeug zu parken.

„Ich habe mich bewusst auf den fotografischen Aspekt des Prozesses spezialisiert“, sagt Peggy Stein. Das Generieren der digitalen Bilder übernimmt RTT. Die Ergebnisse werden mit der Fotografin abgestimmt.

In letzter Sekunde

Automobilhersteller setzen immer mehr auf Fotografie ohne reales Objekt. Das bietet verschiedene Vorteile: Ohne Prototypen durch die Welt zu bewegen, lassen sich ihre Produkte perfekt in Szene setzen. Die Abschirmung vor den Blicken der „Erlkönig“-Paparazzi entfällt. Mit kleinen Teams kann in kürzerer Zeit und mit weniger Aufwand fotografiert werden. Vor allem aber: Noch vor Serienanlauf eines Fahrzeugs können fotorealistische Bilder entstehen und sämtliche Informationsmedien von der Broschüre bis zum Online-Konfigurator in letzter Sekunde aktualisiert werden. Doch die Technik hat ihren Preis: Gut sechs Tage Arbeit stecken in jedem Motiv. (TE)

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